Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rembrandt
Person:
Neumann, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-868606
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4404067
Gemeinde ein Oessias verkündet, der mit Geigentönen aus dem Herzen, 
nicht mit crompetenstöszen, die dem Markt dienen, die Seinen an sich locken 
werde, einfältig und bescheiden, ein Mann des Volkes, niederdeutschen 
Stamms, vom Seewind umspielt, Rembrandt ähnlich, jenem ,,15ekzh1zkk des 
deutschen I()flanze". Diese Verkündigung, die aus der ,,geistigen Oisere der 
Gegenwart" heraus ein Kampfruf war um eine bessere Zukunft, die eine 
dritte Reformation als notwendig und bevorstehend erklärte, erging zwanzig 
Jahre nach der Gründung des deutschen Reiches, und sie beruhte auf der 
allgemein sich verbreitenden Smpfindung, dass die politische l"2eugestaltung 
nicht ein HbschlusZ und eine Srfüllung des Sehnens vergangener Geschlechter 
sei, sondern der Anfang und Hnstosz unabsehbarer Tlmformungen und Um- 
wälzungen, eines allmählichen Sichselbstwiederfindens des deutschen Volks- 
geistes. Während der intellektuelle Hochmut der herrschenden Bildung die 
deutschen Srfolge als sein eigenstes Verdienst ansprach und im Glauben 
dieser Vater-schaft seine Selbst3ufriedenheit nur noch steigerte, trat dieser 
Bildung hier ein feind entgegen, der sie als falsche Bildung anklagte und 
den paradoxen Husspruch wagte, die Niederlage von Jena habe uns mehr 
gefördert als der Sieg von Sedan. eine Opposition der auf geistigem 
Gebiet leidenschaftlich (1nzufriedenen sollte sich sammeln, um dem Hochmut 
des aufblähenden Wissens die Bescheidenheit des Könnens, der mo1luskenhaft 
widerstandslosen Bildung die Snergie des charakters, der vorurteilslosen 
Objektivität und cleberzeugungsloligkeit den Glauben, der Wissenschaft die 
Kunst entgegenzustellen. Gegen die Htomisierung vermeintlicher Individuen, 
gegen die Spe3ialisierung und den beschränkten fachhochmut, diese verzweifelte 
Konsequenz mechanisierender Hllgewalt, erhebt sich der Widerstand der Seele, 
die sich als ein eigenes Ganzes empfindet, die es nach tiefer Gemeinschaft 
im Geist und in der Tlahrheit verlangt, und die diese Gemeinschaft nicht 
in der Hllerweltsbildung, sondern nur im HnschluB an die wur3elhaft 
nationale Smpfindungswelt finden kann. Ss handelt sich um ein I-Ib- 
sprengen von driickend clebereinkömmlichem, das als fremd und hemmend 
gefühlt wird, ein Freilegen von lang Verschijttetem, ein Suchen nach Ver- 
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