Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rembrandt
Person:
Neumann, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-868606
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4406073
dem Oarienbild an drei Figuren, im Noli me tangere an zweien beob- 
achten. 
I2och das 6emälde der Shebrecherin vor Christus von 1644 (London, 
national ga1lery) sd)lieszt sich eng an die besprochene Gruppe an. SS 
mögen fünfzig figürchen darauf gemalt sein. Die farbenanscbäUUng- die 
l)urchsirhtigkeit der Schatten lässt den Stil der mittleren Periode nicht ver- 
kennen. Könnte man das Bild indessen neben das der cempeldarstel1ung 
von 1631 (Haag) stellen, so würde man in diesen vierzehn Jahren denselben 
fleisz und dieselbe feinheit im figürlichen unverändert finden und staunen, 
wie doch der Künstler in manchen Stücken stehen geblieben ist. Genau wie 
er im Anfang seiner Laufbahn von seiner Bijoumalerei plötzlich zum Lebens- 
groIzen in der Münchener heiligen Familie übergeht, da denn für die Zu- 
fuhr stärkender I"2aturbeobachtung das grosse format der Studienköpfe und 
-figuren unumgänglich ist, so kehrt er von dem lebensgroßen format seiner 
Belsa3ar-, Simson-, F-lorabilder u. s. w. zu dem kleinen Umfang von Bildern 
zurück, deren Figuren keine Hand hoch sind. Die Resultate seiner neuen 
conanschauung legt er in ihnen nieder; aber die (1mständlichkeit des Still- 
lebenma1er5, die Freude am l-lalligraphiss:hen hat er auch noch. Im Zurück- 
treten verstandesmäsZiger Reflexion, in der naiven Tlnkenntnisz des Verhält- 
nisses, das die gelehrt akademische Sprache zwischen der Idee eines Bildes, 
der künstlerisd)en Absicht und den Ausdrucksmitteln annimmt, ist Rem- 
brandt der IIntipode P)oussins. Wenn Doussin, um den Hauptgedanken 
einer Historie heraus3uarbeiten, dem Dinsel Sile in den I2ebendingen 
(krettolos0 pennello) und Vermeiden der ,,minuzie" empfahl, s0 Ein- 
pfand der Bolländer wohl auch das Bedürfen, ein Ganzes 3usammen3ubalten; 
aber sein Vergnügen mochte ersieh darum nicht ftören la11en, wo sein lE)ins01 
Behagen empfand. Sine so unendlich reiche und 3usammengeset3kE natur Wie 
Rembrandt macht jede Hesthetik zu Schanden. Auf clmwegen, langlEnn Und 
überraschend erreicht er, was eine anmasZliche Lehre dem Schüler in zwei 
Paragraphen einzutrichtern pflegt. Von der Musik, die seinen Sinn El'küUt- 
ist er ganz hingerissen; er folgt ihrem Klang nach. Diese sinnliObe 
199
        

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