Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rembrandt
Person:
Neumann, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-868606
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4404898
Diese Erscheinung reicht weiter als die katholische Kirche. Wo immer 
eine volkstümliche Kunst von Spanien bis nach Sngland und Holland da- 
mals sich Bahn brach, da wiederholte lich jener kiult des Si-äszlichen. Die 
dramatische Bühne ist dafür eine beredte Zeugin. Wie die Handgreiflich- 
l-reiten mit stampfen und scharfen Waffen, mit Säbeln, l)old7en und Stöcken, 
so waren es Verbrechen, Oordthaten und 6eiftererscheinungen, die das 
Publikum, unersättlich im BedürfnisZ nach 6ruse1n, verlangte. Und da die 
Phantasie der Heidenzeit hierin ein Repertoire zusammengebracht hat, das 
schwer zu überbieten ist, so schwammen selbst die Humanisten in der popu- 
lären Strömung und durchsuchten 0vids Oetamorphosen, die alten Tragiker 
und besonders Seneca nad) Schauergeschichten und Sntsetzlichem. Oedeens 
Rindermord und Thyeltes" gräsiliches Mahl kamen den Nerven des sieben- 
zehnten Jahrhunderts eben red9t. Wenn bei der Darstellung der Sroberung 
Trojas das kleine Söhnchen Hektors vom Thurm geschleudert wurde, so 
fiel, wie ein gleichzeitiger Berid)t von Hmsterdam sagt, die Last des Körpers 
den Zuschauern so hart und härter aufs Herz als auf den Boden der Bühne, 
und überall strömten die Thränen. Wenn bei der Sündflut gemalte Leichen 
über die Szene geschleift zu sehen waren, so war auch dies höchst rührsam. 
costers armer 1Iazarus mußte handgreiflich zeigen, wie der Reiche in der 
Hölle saß und nad) einem Waslertropfen schmachtete. In costers Itys 
hatte Ii)rocne ihr Kind, um sich am Vater zu rächen, auf offener Bühne zu 
erwürgen, in Stücke zu hacken und dann mitzuteilen, nun gehe sie, um das 
noch warme Fleisch zu braten, damit es der Vater als Wildpret genieße. 
Sinen der grössten Srsolge dieser Richtung erzielte Jan Vos, dessen Tragödie 
Titus en A!-an oder Rache um Rache im I"2ovember 1641 zur ersten Huf- 
führung kam. Ss war genau die Zeit, da Rembrandt an der I2achtwacbe 
arbeitete. Ss ist der Mühe wert, den Inhalt jener Tragödie mitzuteilen  
Der römilche felc1berr Titus Hnc1roni-Jus seiest feinen Triumph über 
clie So-eben und führt deren Königin Tbamera samt dem übervounclenen 
-K) Ich gebe ihn nach Jondab1oet4 IV 383. 
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