Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Karl Rettich
Person:
Lenz, Georg Saxen, Peter Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-868592
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4370512
mußte, den Rahmen ab, in den der Künstler hineinlegen konnte, was in ihm 
war, und was er seit Rottmann erst vorbehaltlos zu geben wußte. 
in dieser Hinsicht eins seiner besten Bilder ist bezeichnender 1Veise das 
ietzt im Museum in Danzig befindliche -iIanorama von Hhrenshoov-. 
iVas der Künstler hier aus der weiten einfachen Küstenlands(haft hat machen 
können, vermag in Erstaunen zu sehen. iVir kennen kein anderes Bild des 
Künstlers, welches den für ihn charakteristischen 6egenstand, Meer und weite 
Ebene, in ähnlich tiefer künstlerischer Verklärung zeigt. Es ist, als habe hier 
ein für ihn absolut bestehendes Schönheitsideal einen erhabenen i-iusdruc1( 
gefunden. lind die Verwandschaft dieses seines Schönheltsideals mit demjenigen 
Rottmanns tritt uns hier wieder ganz besonders überzeugend in der Beherr- 
schung grvßer Flächen und in der Eröffnung großer Verspektiven entgegen. 
Das bewußt maßvolle Schaffen, dem die Wirkung des -1Ianoramas von 
Flhrenshoop- in erster Linie zu danken ist, verleiht auch den zahlreicheren 
kleineren kihrenshvoper Bildern ihren eigentümlichen Reiz. kiuf einem 
der kleinsten dieser Bilder sehen wir, wie die in der Silhouette in leicht 
geneigten Stufen von der See aufsteigende Düne, offenbar in Höhen und 
Breiten in den Verhältnissen des goldenen Schnitts gehalten, sich aus dem tiefen 
Vordergrund emporhebt, um in der Mitte des Bildes in eine vor schattigen 
Bäumen liegende i-ischerhütte überzuführen, die sich den Verhältnissen des 
6anzen angenehm einfügt. So ergibt sich ein sinniger Aufbau des Ganzen, 
indem die behagliche Silhouette der menschlichen Behausung die beabsichtigte 
Wirkung noch deutlicher zeigt. Rechts flimmert die sonnenübergossene See, 
während breitgemaite freundlich helle lVolkenn1assen leuchtend sich abheben 
von der im stillen Schatten als dunkel ruhige Masse tief im Bilde liegen- 
den ljütte, von der leichter Rauch zum Himmel steigt.  Eine große Anzahl 
kleinerer Bilder zeigt eine ähnliche Komposition in verschiedenen Stimmungen. 
Von Bhrenshoop brachte Rettig) eine reiche iiusbeute von ilnterrnalungen 
für die iVinterarbeit des Jahres i89l mit nach München. Doch finden wir 
ihn bereits im Prühlingsanfang i892 in 1'orbole am 6ardasee. Von dort aus 
besuchte er viel das Sarcatal, dessen iVildheit und Einsamkeit ihn anzog. 
flach den dortigen Studien sind einige große, dekorativ gehaltene Bilder ent- 
standen, auf denen die gewaltigen Pelswände, durch welche die Fa-ca sich 
hindurchwindet, in überaus krastvolier Sprache dargestellt sind. Die l)k-ei-sc 
lIinselführung, die Vorliebe für frische, ungebrochne Farben, der kräftige Umriß, 
 diese Eigenschaften, die für Rettichs Münchner Werke besonders bezeich- 
nend sind, treten in den Sarcatalbildern in etwas übertriebener Weise in 
Erscheinung. Das Urteil eines Münchner Kollegen 87) trifft für diese Bilder 
zu: -Sie streifen bei ihrer Energie oft etwas ans 6ewaltsame und Rohe-. 
in seinen Vstseeiandschaften wäre der Künstler nie in solche ilebertreibungen 
verfallen. 
Eine Erkrankung der kiugennerven nötigte Ret-lich im Lauf des Sommers 
i892 Ach in ein Sank1toriun1 zu Konstanz zu begeben. iiach gutem heil- 
erfvlg malte er auch Mit im -Alten Jakobs- und am Bodensee. Es ist
        

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