Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Karl Rettich
Person:
Lenz, Georg Saxen, Peter Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-868592
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4370187
sieben diesen Arbeiten kamen nur noch zwei Bilder mit mecklenburgischen 
Motiven zum Abschluß, die im Sommer t864 in Lübe(k ausgestellt wurden 
und dort wohlwollende Aufnahme fanden 37). Der Künstler selbst legte in 
diesem Winter den größten Wert auf eine Bleistiftzeichnung für ein kilbum, 
weiches die mecklenburgischen Künstler ihrem 6rof;herzog Friedrich Franz 
anläßlich seiner zweiten 1)ermählung überreichten. Da die slachforschungen IS) 
nach diesem filbumbiatt erfolglos geblieben sind, müssen wir uns mit der 
Mitteilung einer Beschreibung begnügen, die sich in iiettichs Briefen findet: 
-Es wird ein llurchblick in bewaidete 6egend mit Felsen durch einige vomüber 
gefailene Baumstämme an einem Bache mit huflattig, Doigen, 6ewässern etc., 
die ich nach einer Zeichnung aus Srlii1gT" I"TI1k detailliert ausführen kann, 
mit liehstaffage in Bleistift.ausgesührt.-  Der 6rosjherzog bezeugte seine 
Zufriedenheit durch l1eberrelchung einer goldenen Uhr und kilbert Fiamm durch 
das erste ungeteilte Lob, das er seinem Schüler spendete. Dies Lob mußte ihn 
umsomehr erfreuen, als er in dem 6efühi, daß W kOkt11beherrschung noch 
immer seine schwache Seite sei, großen Fleiß aus diese Bleistiftzeichnung ver- 
wandt hatte und nun von Flamm ermuntert wurde, mehr -auf Farbe zu sehen-. 
lmmerhin ist es eigentümlich, das; der norddeutsche Künstler in der 
norddeutschen Kunststadt sich nicht so scl1nell einiebte, wie man das hätte 
erwarten können. Bis der Sommer wieder ins Land zog, trieb es ihn viel- 
mehr mit aller liiacht zurück nach 0berbagern, an den chiemsee und nach 
Brannenburg, wo er einen Kreis gleichgestimmter Freunde und oerehrter 
Meister zu finden hoffte. 
wie ein anmutiges Skizzenbuchblatt mutet uns eine Schilderung des 
Heidelberger Schlosses an, das er auf der Reise nach dem chiemsee kennen 
lernte: -heidelberg war der slanzpunkt meiner Reise, obgleich ich weiter 
nichts gesehen habe als das Schloß. ich war zwei Tage dort, und tret; allem 
Drangen meiner Bekannten, ileckarsteinach und die übrige Umgegend zu 
besuchen, war ich nicht dazu zu bewegen, sondern morgens aufs Schloß, um 
abends in dem 6edanken herunterzugehen, am andern Morgen recht früh 
wieder oben zu sein. Buch nahmen Ae mir's fast übel, das; ich mir nicht die 
Zeit nehmen wollte, das große Faß zu sehen, und waren sehr verwundert, 
dass ich immer an den kleinsten Details hängen blieb, die sie keines Blickes 
wiirdigten. Es ist reizend, wie hier die l"latur wieder in ihr altes Recht eintritt 
und das Werk der Menschen überwuchert. Der Efeu, der in jede Spalte dringt, 
um sie zu erweitern, die Fliederbäume, die in phantastiIchen Formen ihre 
Arme nach dem Lichte ausstrecken, das durch einzelne Fenster und Löcher in 
ihr helldunkies öefängnis fällt, unzugängiiche Treppen, zerbrochene Säulen, 
mit Moos bewachsene Statuen, iieptun, dem sein Element fehlte, und der mit 
zerbrochenem Bein mürrisch im hohen 6rase lag, l1enus empört, daß das 6rün 
ihr nicht erlaubte, ihre Reize mehr zur Schau zu tragen, hier hatte ein 
Schwalbenpaar an der Krone eines alten Fürsten gefiickt, alles war geeignet, 
sich den phantastischsten Träumen hinzugeben, wenn die Fcl1l0i?iräulein mit 
einem Zuge neugieriger Beafs der Phantasie nicht eine uni6sbare Aufgabe
        

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