Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Buch der kunstgewerblichen und künstlerischen Berufe
Person:
Widmer, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-861926
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-862850
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(Die wird man Ciscbler und Innendhdyitekt 
eng, und im Elternhause macht" sich bereits der etwas unruhige Geist be: 
merkbar, der die nahenden "Elegeljahre ankündigt. Der Uater sagt sich, von 
seinen Renten wird er nicht leben können, ein Gelehrter wird's auch nicht, 
also mein junge, was willst du werden? Dehmen wir an, daß der junge 
die so oft vorkommende lieigung zum "Basteln" zeigt. Er will Cischler 
werden, hat vielleicht einmal eine Cischlerwerkstatt gesehen und weiß, wie 
gut das irische Kieiernholz riecht. 
Dun ist die Frage, wo kriegen wir einen meister her. man möge sich das 
[eben mit dieser (Uahl nicht allzu schwer machen. jedes Bandwerk verfügt 
über einen gewissen eisernen Bestand an handgriffen und Kenntnissen, die 
auch in der einfachsten und kleinsten Cischlerei genau so gelernt und geübt 
werden, wiein der höchst entwidtelten und größten. Es ist keineswegs 
nötig, sein Hugenmerk auf eine Cischlerei von besonderem Ruf zu richten, 
es genügt, eine solche zu wählen, in der der meister selbst den ganzen Cag 
zugegen ist, oder wo die Ilehrlinge einem speziellen Ijehrgesellen unterstellt 
sind. 
Das Handwerk ist für den lformalbegabten zunächst nichts weiter, als die 
unablässige Übung bestimmter handgriife mit ganz genau bestimmten (Uerk: 
zeugen, die überall die gleichen sind. meine Erfahrung, und die sehr vieler 
anderer auch, hat erwiesen, dafs für den Strebsamen jede fIehre ihren Zweck 
erfüllt, sofern sie, wie gesagt, sich in einer (Uerkstatt abspielt, in der meister 
oder llehrgeselle tätig sind. Unsere fähigsten Gesellen kommen fast alle aus 
ganz kleinen Dörfern oder Provinzstädten, ein sehr erheblicher Ceil hat so: 
gar, wie der Eadrausdrudr lautet, in "Spezialbuden" gearbeitet, d. h. in 
kleinen (Uerkstätten, wo meinetwegen nur erlene Bettstellen, Kleiderspinde 
oder Dachttisclte gemacht wurden.  
Sowie die [ehrzeit beendet ist, beginnt die Wanderschaft. Dicht mehr wie 
früher mit dem "ielleisen auf den Buckel, sondern heute mit der Eisenbahn 
vierter Klasse. Und nun beginnt eine bunte Cätigkeit, die von Stadt zu Stadt, 
von (Uerkstatt zu (Uerkstatt führt  und der junge Geselle lemt (Uelt und 
menschen kennen. Huch heute noch sind diese jungen Gesellen die fröhlich: 
sten der Eröhlidien, und die ganze Klassenverhetsung unserer Zeit hat dieses 
Uorredit der jugend nidit verderben können. jetät wollen wir uns klar werden, 
daß der künstlerisch triebsame Geselle ganz von selbst suchen wird in immer 
bessere "Buden" zu kommen. Der Ehrgeiz treibt ihn, so tüchtig zu werden, 
daf; er sid) eines Cages sagen kann: Es gibt kein möbel, das ich mich nidit
        

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