Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Buch der kunstgewerblichen und künstlerischen Berufe
Person:
Widmer, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-861926
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-864812
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Der Reservvßeruf 
er modebilder auf holz und ähnliche Sadren. ln dem eben erwähnten Jllterbe: 
zog er die Hkademie und machte dort ganz fabelhafte Fortschritte. Er erhielt 
Iluszeichnung über Iluszeichnung und war noch nicht fünfundzwanzig Jahre 
alt, als er auf der Großen Berliner Kunstausstellung die kleine goldene 
medaille erhielt. Hber was die hauptsadre war: seine Bilder gefielen dem 
Publikum! Das Bild, auf das er die medaille erhielt, war schon vorher für 
einen sehr guten Preis verkauft worden, er verkaufte fast alle Bilder, die er 
ausgestellt, und sein Einkommen aus den Uerkäufen betrug schon mit fünf: 
undzwanzig Jahren zirka zwölftausend mark in einem jahr. Iluch bis 
jetst ist ihm das Glück treu geblieben, und das wird wahrscheinlich weiter 
der Fall sein, denn seine Bilder sind im allerbesten Sinne populär und 
gleichzeitig von hoher Qualität. Der andere Fall betrifft einen jungen Bild: 
hauer, der gleichfalls sehr schnell Karriere gemacht hat. Er steht heute in 
der mitte der dreißiger jahre, und sein Einkommen dürfte wohl fünfzehn 
bis fünfundzwanzig Causend mark jährlich betragen. Seine Büsten und 
Plastiken werden von den allerhöchsten Kreisen bestellt und gekauft, und 
es ist klar, daß auch seine gesellschaftlidre Position infolgedessen eine nicht 
gewöhnliche ist, was ich besonders deshalb erwähne, weil er früher gleich: 
falls Kunsthandwerker   Goldschmied  gewesen ist. Uon einem Berliner 
Ilandschaftsmaler, der durchaus keine Größe, aber beim Publikum außer: 
gewöhnlich beliebt ist, wurde mir neulich von einem genauen Kenner der 
Uerhältnisse gesagt, daß sein Einkommen aus dem Uerkauf seiner Bilder 
jährlich zirka sechzig Causend mark beträgt. Jllles, was er malt, ist sozu: 
sagen "bares Geld", er maltaber allerdings etwas sehr publikumsmäßig! Die 
(Uahrheit verlangt es, zu sagen, daß ich auch diese Fälle noch um einige 
vermehren könnte, ich könnte besonders noch einige junge Porträtmaler 
anführen, die schnell beliebt geworden sind und sehr viel verdienen,  
und schließlich gibt es wie überall in der (Uelt auch im Künstlerberuie als 
Übergangserscheinung einen gewissen mittelstand, der zwar ausschließlich 
vom Uerkaufe seiner Kunstwerke existiert, aber damit nur ein mäßiges Ein: 
kommen erzielt und davon recht und schlecht lebt. Eber bedenke, lieber 
fieser, daß ich hunderte von Künstlern kennen gelernt habe, und daß im 
Uerhältnis dazu die eben beschriebenen glüdclichen Existenzen, oder audr 
nur diejenigen, denen der Uerkauf ihrer (Uerke allein die möglichkeit zu 
leben gibt, dünn genug gesät sind! häufig sind die Künstler, die ein gutes 
oder gar großes Einkommen haben, ohne daß sie zu den eigentlich Großen,
        

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