Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Buch der kunstgewerblichen und künstlerischen Berufe
Person:
Widmer, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-861926
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-862531
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Der Ilebrling 
Eine ziemlich gleichmäßige Husbildung im Künstlerischen wie im Band: 
werklichen ermöglichen die Berufe des Capetenzeichners und des Zeichners 
für Cextilindustrie. Es gibt auch dabei selbstredend eine menge Handwerk: 
liches zu erlernen, und der Ilehrling wird sich wundern, wie lange es dauert, 
bis er einen einfachen Fond mit Eeimfarbe glatt und gleichmäßig auf ein 
Stück Papier auftragen kann; aber der meisterwird es sichin seinem eigenen 
lnteresse sehr bald angelegen sein lassen, ihn auch im Zeichnerischen aus: 
zubilden, sonst kann ihm sein Ilehrling ja gar nidits leisten. Der Zeichner 
für Cextilindustrie mujs sodann einen zirka zweijährigen Kursus auf einer 
(Uebeschule absolvieren, wo er die Cechnik der (Ueberei theoretisch und 
praktisch kennen lernt. Ohne diese Kenntnisse kann er in seinem Beruf 
nicht vorwärts kommen, da seine Entwürfe praktisch meist nicht austühr: 
bar sein werden. 
Und so muj; jeder junge mann, und wenn möglich auch jedes junges 
mädchen, dasjenige handwerk erst praktisch erlernen, für das sie später 
entwerfen wollen. 
lch sage hier mit Hbsidat "für das sie später entwerfen" und nicht "das 
sie später ausüben wollen". Hber ich habe hier künstlerisch begabte junge 
IIeute im Iluge, denen die Jilusübung des nur handwerklichen wohl selten 
genügen würde. man muh nämlich bedenken, daIs, seitdem aus dem Kunst: 
handwerk meist eine Kunstindustrie geworden ist, eine scharfe Crennung 
zwischen dem Entwerfenden und dem Husführenden stattgefunden hat. 
Der Cischler in einer möbelfabrik kommt niemals dazu, einen Schrank oder 
gar eine Zimmereinrichtung zu entwerfen, sondern er führt lediglich die Gnt: 
würfe des Zeidrners aus; und zwar auch nur einen Ceil derselben, eine 
Spezialität, Stühle, Betten usw. Der Zhromolithograph kommt sein ganzes 
lieben lang nie in die lIage, eines jener kleinen Eiebigbildchen, eine Post: 
karre oder sonst etwas selber zu malen, sondern er istjahraus, jahrein nur 
damit beschäftigt, das Original in die lithographisdte Cechnik zu übertragen. 
Der Kunstschmied steht Cag für Cag am Feuer und schmiedet meist nur 
eine ganz bestimmte und immer wiederkehrende Spezialität eines Eisen- 
gitters, aber er wird nie beauftragt werden, ein solches Bitter auch einmal 
selber zu entwerfen. Dazu ist eben der branchekundige Zeichner da. Das 
ist die Hrbeitsteilung, die die lndustriealisierung des häudWcfkS mit Sich 
bringt, und deshalb muh sich jeder entscheiden, ob er Zeichner werden 
will oder handwerklich vorgebildeter Fabrikarbeiter.
        

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