Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Nationalökonomie
Person:
Damaschke, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-850022
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-851104
gebracht werden. Selbst untereinander durften die Kolonien 
keinen Handel treiben. Der Goldüberfluß, verbunden mit dem 
künstlich aufrecht erhaltenen spanischen Handelsmonopol, führte 
zu Unnatürlichen Preisen. So kosteten zeitweise in den Kolo: 
nien ein paar Stiefel 100 Dukaten. 
Inmitten dieses Reichtums aber setzte der Verfall ein. Der 
tiefste Grund lag in der Behandlungsder Bodenfrage. Man 
nahm von der Bodenbenutg,11ng die Verpflichtung zum Kriegss 
dienst, weil man jetzt des Bauern nicht mehr zu bedürfen glaubte. 
Das Adelsland wurde für steuerfrei erklärt, ja, die Steuerlast 
eines jeden Stück Landes erlosch, wenn es ein Adliger erwarb. 
Damit wurde es wirtschaftlich fast unmöglich, steuerfreies 
Adelsland in steuerpflichtiges Bauernland zu verwandeln, wäh: 
rend der Erwerb von Bauernland das beste Geschäft für den 
steuerfreien Adel wurde. Es kam so weit, daß ganz Andas 
lufien fünf Herzögen gehörte und daß auf den Gütern mancher 
Granden 30000 Pächter und Tagelöhner arbeiteten. Natürlich 
sank die Bevölkerung. Um 1500 schätzte man sie auf 11 Millis 
onen Einwohner, beim Tode Philipps I1. 1598 betrug sie nur 
noch 8,2, um 1700 nur noch 5,7 Millionen. 
Soweit die Söhne des Volkes nicht in abenteuerlichen 
Kriegszügen rasches Glück zu erjagen suchten, versanken sie in 
solches Elend, daß es nichts Ungewöhnliches war, wenn Menschen 
sich freiwillig zum Galeerendienst, d. h. zur Zwangsarbeit der 
Verbrecher, anböten. Zur selben Zeit aber lag so viel Land wüst, 
daß nicht einmal der eigene Bedarf an Brotkorn für die sinkende 
Menschenzahl gedeckt werden konnte. Die Steuerfreiheit des Adelss 
landes mit ihren Folgen konnte durch die geraubten SchäHe von 
M exico und Peru natürlich nur ganz kurze Zeit ersetzt werden. 
Schon unter Philipp 1I.  stieg das jährs 
liche Defizit des spanischen Haushaltes auf 9 000000 Dukaten.
        

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