Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-844728
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-848924
führte er dann aus. Das bekam seinen Bildern auf Leinwand 
nicht immer, sie wurden wohl schwer und braun davon. Auf 
Holz bekam es den Bildern ausgezeichnet. Als er Trübners 
Canvnsche Art kennen lernte, versuchte ers auch so alla prima. 
Aber doch nur ausnahmsweise. So hat er das schöne Bildniß 
Trübners, das dieser bisher nicht hat verkaufen wollen, in An- 
lehnung an Trübners Malerei angelegt. Aber wieder auf seine 
Art. Weiße Leinwand gefiel ihm nicht. Er-deckte die Leinwand 
deshalb mit einer Schirht Beinschwarz in Olfarben. Aus dieser 
schwarzen Schicht rieb, kratzte und Reich er die Zeichnung heraus 
wie in einer Art Rauchmalerei. Und auf den so gewonnenen 
Untergrund malte er Kopf und Haar. Ich bemerkte, es käme 
mir wunderbar vor, daß das Bild so hell sei trotz des schwarzen 
Grundes. Trübner entgegnete, es sei eben der ganze schwarze 
Grund weggenommen. 
Der Leiblsche Knabenkopf in Trübners Besitz ist auf die ge- 
wöhnliche Art mit vielem Wegschleifen gemalt. Trübner erwähnte, 
daß er an diesem Kopf hätte malen gelernt. Deshalb habe er 
ihn sich auch erworben. In seinem Atelier stand auf der Staffe- 
"lei ein sehr anziehender Kopf, in Trübners Art gemalt, aber offen- 
bar von anderer Hand. Er war von dem unglücklichen Schmidt- 
Reute, dem seltsamen 3eichner, Consiructeur von Akten in hocken- 
der und liegender Stellung. Als Trübner nach Karlsruhe kam, 
hatte Schmidt-Reute die ihm neue Malart Rudirt. Er selber hatte 
das Malen ganz aufgegeben, weil ihm die Art, wie ers gelernt, 
nicht gefiel. Eines Tags erschien er im Atelier bei T:-übner und 
bat ihn, ihm etwas vorzumalen. Dann versuchte er sich auf die- 
selbe Art und war im Begriff, einen Übergang zur Olmalerei zu 
finden, als es mit seiner Kraft alle war. Seine Witwe, die in 
Freiburg i. Be. lebt, soll noch gute Sachen von ihm besitzen. 
Der Bildnißkopf von Coutbet, den Trübuer besitzt, stammt 
aus dem Nachlaß des .Hei"delberger Landschafters Bernhard Fries 
und ist der Angabe der Witwe nach dessen Bildniß. Sie fand 
es nicht ähnlich und verkaufte es Trübner für 100 Mark. Trüb- 
ner meint, es könnte ein Jrrthum vorliegen, mdglicher Weise 
wäre es ein Selbstbildniß. Nun hat es freilich den Charakter 
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