Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-844728
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-845167
terten Gemüths zu gehen, und so wäre das Bild geblieben, wie 
es war. Für ihn gehöre es dazu, daß es unvollendet sei. Es wäre 
eine Fälschung geworden, hätte er die Hand daran gelegt. 
Das ,,Bonsoir, Messieurs" ist nicht, wie ich glaubte, für 
Raezynski, sondern für den Herzog von Ratibor bestimmt ge- 
wesen. Sonst stimmt meine Erinnerung. Die .Herzogin fand es 
zu wirst, der Herzog bestellte es einige Tage nach dem Besuch 
ab. Er (Menzel) meinte, es wäre wohl nicht besser geworden, 
hätte er es weiter ausgeführt, er habe sich auch später nicht dazu 
entschließen können. Es passe auch eigentlich nicht zu dem Thema. 
Ein Heer auf der Flucht, das in einem Verlafsenen Schloß kurze 
Rast hält, Musik und Trommeln des Feindes schon hörbar, Offi- 
ziere, die von ihrem Burschen mit der Laterne geführt eilig die 
Treppe herabkommen  einer hat den Pelz noch nicht an  
und den König, den sie non) nicht erkennen, rasch auf sich zu- 
schreiten sehen  das muß wie eine flüchtige Vision wirken. 
Menzel denkt sich die Situation so: die Offlziere haben im ersten 
Augenblick nur die preußischen Uniformen erkannt, ein Pandur 
vorne erkennt in dem Ofs1"zier den preußischen König und ruft 
seinen Namen. Es ist der, der in der linken Ecke mit der Hand 
weist. Der Raum ist der historische. Menzel hat auch den Saal 
oben gezeichnet, wo die Eeremonie des Vorstellens stattfand. Der 
ist, wie Menzel meint, seither zerstört. 
Dann ließ ich mir die Arbeit zeigen, die er gerade unter Händen 
hat. Sehen Sie, dies ist der Keim, sagte er, und zeigte mir eine 
wallnußgroße Visite von Mirabeau in Biscuit von Si-vres, ein 
Meisterwerk der Charakteristik, wahrscheinlich von .Houdon. Das 
andere habe ich dazu gedacht. Und er wies auf das Blatt Gouache- 
malerei von Lexikongröße. Der Mirabeau war noch gar nicht 
darauf, aber sonst war alles nahezu fertig. Ein Mann um die 
Jahre, wo die Autorität beginnt und das Gefühl Dieser Qualität 
aufkeimt, sitzt an seinem Schreibtisch, mit der Linken die Cigarette 
zum Mund führend und im Gespräch mit dem scharf fix-it-ten 
Gegenüber die rechte Hand mit demonstrirender Gebärde über 
einem Papier auf dem Schreibtisch gespreizt. Der Kopf ist der 
des überzeugten beau parleur. Links oben war der Platz frei für
        

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