Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-844728
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-848285
wenn er auch nur mit einer Ecke auf das Bild gekommen wäre. 
Corinth besuchte den Professor in der Privatwohnung und be- 
schloß, ihn unbesehens dort zu malen. Als wir das Bild hatten, 
forderte ich ihn auf, sich das Dekanatszimmer und den Gelehrten 
im Dekanatsmantel am Fenster doch noch einmal anzusehen 
und-ihn dort noch einmal zu malen, wenn es ihn reizte. Er 
war begeistert von dem Raum und machte sich sofort an die 
Arbeit. Als er fertig war, schrieb er mir, er hielte das Bild für 
seine beste Arbeit. Ich finde nun auch, besseres hat er nicht ge- 
macht. Es ist ein großes Bild geworden. Meyer steht mit dem 
Rücken gegen das Fenster, das Licht fällt von hoch und hinten 
über das Gesicht und die dunkelblaue Dekanatsrobe. Und drau- 
ßen stehen die kahlen F:-ühlingsbäume mit einem Fleck Grün 
hie und da gegen den Mär-zhimmel und überschneiden die Sil- 
houetten des Opernhauses und der Hedwigskirchc. Diese Land- 
schaft ist ein großes Meisterstück. Ich freue mich sehr zu diesem 
Bilde. Mittel habe ich noch privatim. Mit Liebermanns Selbst- 
bildniß zusammen sind die beiden Corinths so ziemlich das beste 
Von lebender Kunst, was die Ausstellung hat.  
Berlin, den 29. April. 
 Auf dem Wege zur Secession ging ich durch die Reise- 
auss?ellung. Ich habe mich sehr geschämt, wie unintelligent sid) 
Hamburg macht. Was hat das gekostet und wie zersplittert ist 
die Wirkung. Hagenbeck stellt unter Stellingen aus mit großem 
Aufwand und Erfolg. Der Verein zur Förderung des Fremden- 
verkehrs hat zwei kleinere Sachen statt einer großen ausgestellt 
mit einem Aufwand, der wieder in die Tausende hinausgeht. 
Strom- und Hafenban und Tiefbau haben einen schon an sich 
mäßigen Raum halbirt, jeder stellt für sich aus, Hamburg ver- 
schwindet hinter den Firmen der Deputationen. Hätte man alle 
diese Mittel znsammengefaßt! Hätte man sie in eine Hand ge- 
legt und gesagt: Drücke Hamburg aus. Laß anklingen, was ans 
Hamburg heraus über die Welt klingt. Mach nicht zu viel, gieb 
das Wesentliche, Unoergeßliche, Ersehnte.  Wir müssen es uns 
J-H
        

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