Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-844728
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-848156
als hätten die Laubbüume sammtlieh etwas von dem Bau der 
Nadelhdlzer. Alles ist graziler,.leichter, loser als bei uns. 
An den Ddrfern berührt es sehr sympathisch, daß die groben 
und ordinären Veranstaltungen fehlen, gegen die unser .Heimath- 
schuf; vorgeht. 
Auf allen .f2ängen und Hagen blühte es noch von 3eitlosen, 
Enzianen, Primeln, Einer-arien, Bärenklau. 
Es hat mir sehr gut gethan, mal einen Tag lang keine Galle- 
rien und Kunsthandler zu sehen. 
Sonst war ich jeden Tag in der Pinakothek. Mein erster Ein- 
druck hat sich beseitigt: eine große, kühne und rücksichtslose Lei- 
stung. Aber es ist doch nur erst ein Concept. Die Zeit wird 
manche Anderung nöthig machen. Ein wenig erstaunt bin ich, 
daß es überall für gut und endgültig genommen wird. Es ist 
Tschudis Glück, daß er die U1nhangung schon in dem Rausch der 
Flittercvochen ausgeführt hatte, und daß Lenbach gerade abgetreten 
war. Der würde Himmel und Hölle gegen das Werk in Be- 
wegung gesetzt haben. Und dagegen hätten Tschudis Freunde 
schwer aufkommen können. 
Als Gesammteindruck hat die Pinakothek - immer Von den 
Kabinetten abgesehen  verloren. Tschudis Princip - das jedes 
modernen .s2ängens  geht gegen das Princip, das der Archi- 
tektur zu Grunde liegt, die eben noch fürstlich und reprüsentativ 
will. Als alle Wände bis oben hin bedeckt waren, Prunkrahmen 
an Prunkrahmen, trat das einzelne Bild zurück, aber die Masse 
sprach sehr stark. Jetzt sieht man in jedem Saal soviele Bilder 
sehr gut, wie Mittelplätze da sind, und alles andere ist eigentlich 
degradirt. Dabei ist der Gesammteindruek der Säle ziemlich un- 
gemüthlich. Früher sprach man wohl von der Pinakothek als 
Bcldermagazin. Jetzt wirken die neuen Sclle noch mehr als 
Magazin. 
Sehr lehrreieh war für mich die Beobachtung der neuen Farben- 
tönte für die Wände. Früher ging ein Ton durch, Wolldamast 
im alten sogenannten Gallrriero1h. Jetzt wechseln alte rathe und 
neue grüne oder weiße Sake und Kabinette. Die grünen Sale 
sind nicht sehr glücklich. Bei der mageren .Hängung sieht man
        

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