Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-844728
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-848125
die vierzig und einige Städte zu einem 3weckverband zu ver- 
einigen, um eine Art gemeinsamen Bebauungsplanes festzulegen. 
Das ist von der Städtebauausstellung bekannt. Unbekannt war 
mir, daß die preußische Regierung Schwierigkeiten macht. Es ist 
ihr unbeqnem, sie kann es nicht übersehen. Aber in der großen 
Discussion auf dem DüsTeldorfer Städtetage bei Gelegenheit der 
jüngsten Städtebauausstellung ist sie in der Person ihres Ver- 
treters völlig geschlagen worden. Sogar die eigenen Landräthe 
haben sich gegen die Thorheit der lediglich formalen Bedenken 
erhoben. Was nun daraus wird, steht dahin. Die Schwierig- 
keiten bleiben groß genug, wenn selbst die Regierung keine mehr 
macht. Es handelt sich in Osthaus' Plan keineswegs bloß um 
Stadtpläne und Stadterweiterungen. In diesem Zwei-kverband 
sollen auch Institute (Museen), Vereine (Heimathschutz, Kunst- 
vercine) vertreten sein. Es soll eine Art intersiädtisches Parla- 
ment für die großen Grundfragen der gemeinsamen Existenz und 
Wohlfahrt gebildet werden. Das scheint mir, so schwierig die 
Form zu finden und zu wahren sein mag, von unübersehbarer 
Wichtigkeit. Denn die kleinen täglichen Sorgen und Calamitäten 
sind jedem fühlbar und übersehbar, man pflegt ihnen vorzu- 
beugen, wenn sie sich von ferne melden, und hat man sie nicht 
kommen sehen, drücken sie so empsindlich, daß man schon eine 
Anstrengung macht. Die ganz großen Ndthe sind der Mehrzahl 
unspürbar etwa wie der Luftdruck. Wenige erkennen sie, und 
die sie übersehen können, sind schon zu zählen. Wir wissen im 
Reich und in Hamburg ein Lied davon zu singen. 
Schade, daß mir Osthaus nicht selber seine Pläne entwickeln 
konnte. Ich errathe sie mehr. 
Der Einfluß, den Osthaus in steigendem Maße ausübt, ist 
sehr stark und weitreichend. Die meisten seiner Gegner haben 
klein beigegeben. Die Stadt tritt für ihn ein. Sie baut eine 
Stadthalle und läßt die Glasgemälde von dem holländischen 
Maler Thorn Prikker ausführen, den Osthaus nach Hagen ge- 
zogen hat. Eine Bildhauerin (Milly Steger), die ebenfalls auf 
Einladung von Osihaus nach Hagen übergesiedelt ist, wird die 
Sculpturen machen, auch für die Terrassenanlage, die sich an 
J28
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.