Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-844728
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-847977
sagte, er könne es von Bade nicht verlangen, daß er sich für eine 
Sache einsetzen solle, die ihm doch ferner läge und ihn vielleicht 
um wichtige eigene Wünsche bringen könnte. Er, Boehlau,möchte 
selber mit seinen Plänen zum Kaiser. Das wurde dann auch so 
eingerichtet. Boehlau fing gleich bei den Feniiern an und erklärte 
den neuen Charakter der Fassade aus dem Bedürfniß. Der Kaiser 
hörte es aufmerksam an und meinte ganz ruhig: Famos. Das 
gefällt mir. Ich habe beim Grafen Bentinck ganz etwas ähnliches 
gesehen, und es hat mir sehr gefallen. . . . 
Kassel, den l9. Februar 1910. 
Ich will die Nacht nach Karlsruhe: Dort kann ich morgen 
alles abmachen und mit dem Abendzuge nach Basel fahren. Uber- 
morgen früh gehen die Sitzungen an. 
Der Tag war voller Abwechslung. Ich hatte ihn mir nach dem 
Fahrplan als ziemlich öde gedacht mit kurzen Geschäften und 
endlosen Aufenthalten an Orten, wo man besser thut, auf Essen 
und Trinken zu verzichten. Vorräthe mitnehmen ist nicht rath- 
sam, wenn die Möglichkeit einer eingeschobenen Wanderung nicht 
ausgeschlossen. 
Die Fahrt nach der kleinen hessischen Stadt ging durch eine 
noble Landschaft in silbernem Sonnenduft. Man hätte durch 
beide Fenster zugleich sehen mögen. Am Eingang der Stadt fragte 
ich gleich nach der Adresse des Dachdeckermeisters Israel (der den 
schönen Winterhalter haben sollte). Die Vorsicht lohnte sich, es 
war das erste Haus am Weg. Der Meister war auf Arbeit, die 
Meisterin öffnete mir den Sealon. Da hing das Bild. Eine sici- 
lianische Prinzessin nach der Uberlieferung. Sehr schöne Person in 
der Tracht der Loreley von l850 mit Harfe und Berglandschaft. 
Aber doch offenbar Bildniß. Einen Winterhalter dieser Art habe 
ich noch nicht gesehen. An die Erwerbung zu denken, traue ich 
mich nicht, obwohl es eine tüchtige und charakteristische Leistung 
ist. Die Erhaltung läßt zu wünschen. In dubio abstine. Scheide. 
Die Sehenswürdigkeiten der kleinen Stadt waren im Hand- 
umdrehen erledigt, da ich den berühmten .Hofgeismarer romant-
        

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