Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-844728
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-847908
Nach vier Wochen kommt die Antwort: Es geht überhaupt nicht 
zu machen. Darauf wird ein .Münchner Fabrikant gefragt, der 
an der bbhmischen Grenze seine Fabrik hat. Jawohl, sehr will- 
kommener Auftrag, kann aber 80 Mark kosten. Aber sehr bald 
kommt dieselbe beschämende Klage wie aus Böhmen: Es ist 
nicht zu machen. Das erzählt Klinger einem Glashandler in 
Naumburg. Der kann nicht einsehen, daß es nicht gehen sollte 
und reich zu Verhandlungen mit Bacearat in Paris. Er ist Ver- 
treter. Klinger benutzt einen Aufenthalt in Paris, um vorzu- 
fragen. Es ist schwer, aber es geht. Doch wird es theuer, 
1200 Frs. Sie arbeiten viel für Deutschland, der deutsche Ge- 
schmack ist jetzt für die ganze franzbsische Krißallfabrikation 
maßgebend. An die Verwendung so vieler farbiger Flüsse wür- 
den sie nie von sich aus gedacht haben. Es wäre ihnen der Ne- 
clame wegen sehr willkommen, den Auftrag zu übernehmen. 
Verdienen würden sie nichts dabei. Als die beiden Schalen fertig 
sind, kosten sie statt 1200-18I0 Franken, und die Fabrik setzt 
noch zu. Je dreißig Schalen beim Guß oder beim SchlisT als 
Fehlwaaren ausgemustcrt. Also der Anschlag absolut sachver- 
ständiger Leute in Deutschland und Frankrich wechselt zwischen 
80 Mark und 1200 Franken, und die Forderung ist schließlich 
ein Drittel höher als die höchste Schätzung und deckt noch nicht 
die Kosten. 
Wir aßen nachher bei Frau AsenijeH7 ein französischer? Diner 
vom Wiener Po:-zellan und tranken deutsche und franzbsisihe 
Weine aus Wiener Kristall. Frau Asenijefs ist auch als Beherr- 
scherin der Küche eine wirkliche Künsilerin. Wäre nicht die Aus- 
stattnng des Tisches so viel künstlerischer gewesen, als man es 
in Paris liebt oder versteht, ich hätte bei dem reinen Wohl- 
geschmack auch der sehr eomplicicten Sachen die Illusion alter 
Zeiten von den Ambassadeurs, vom Casä Niche gehabt. Der Tag 
verschwand im .Handumdrel)en, bis zum nächsten konnteicl) leider 
nicht bleiben. Klinger begleitete mich die T-errassen entlang bis 
zur Mündung der Unsirut. Es begann schon zu dunkeln. Eben 
noch waren auf den riesigen Mauern die großen Rrliefs ans der 
Zeit des Erbauers zu erkennen, Scenen aus der Bibel, die auf 
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