Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-844728
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-847586
und Eisenbahn. Das spielt sich auf der Strecke Saßnitz-Trelle- 
bot-g sehr viel bequemer ab. Leider mußte ich im Schlafcvagen 
übernacvten, weil es nichts anderes gab. Aber dafür stand ich 
bald nach drei auf, zog einen Ulsier über und trat auf den Balken 
des Wagens. Schweden mag auf dieser Strecke vor tausend 
Jahren nicht viel anders ausgesehen haben, Wälder, SEimpfe, 
Seen, Sümpfe, Seen, Wälder, dazwischen hie utid da bebaute 
Felder und Wiesenland. Aber das ist auf weiten Strecken ein 
seltener Anblick. Man fühlt, was für den Atibau irgend geeignet, 
ist ausgenutzt. Mitten in den Feldern liegen überall wie Inseln 
in der See die Felskiippen unterirdischer Berge, in den Rissen 
und Spalten mit Erde gefüllt, von durchsichtigen kleinen Birken- 
hainen bestanden, gelegentlich auch, was sehr phantastiich wirkt 
 man denkt an Friedhdfe und Toteninseln  mit Wacholder. 
Diesen Inseln in den Feldern habe ich mit nie ermüdender Auf- 
merksamkeit nachgespäht, alle hatten ihren eigenen Charakter. 
Gegen sieben Uhr kamen wir an einein hochliegenden Schloß 
mit meilenweitem Pack vorbei, in dem ein Thal mit alten Eichen 
zu dem schönsten gehörte, was ich an Landschast gesehen. Als 
ich hier danach fragte, hieß es, das sei der Sommersitz vom 
Prinzen Wilhelm; der verstorbene Besitzer, der letzte eines alten 
Adelsgesehlechts, habe ihm Schloß und Herrschaft vermacht. 
Prinz Eugen erzählte mir, er habe fiel) bemüht, es zu kaufen, 
wäre aber mit dem Besitzer nicht fertig geworden. 
Waldemarsudde, wo ich dies schreibe, ist ein stattliches Palais, 
von Boberg gebaut und mit allem ausgestattet, was das Leben 
behaglich macht. Der Priiiz hat sich eine Ecke an der Südseite 
der großen Thiergarteninsel ausgesucht. Sie war schon besiedelt 
von Stockholinern, die atif den Felsen ihre kleinen Sommersitze 
gebaut hatten. Der neue Eigenthümer hat diese Häuser mit er- 
worben, aber er läßt die früheren Eigenthümer darin weiter 
wohnen und redet ihnen gar nicht hinein in die Anlage und 
Ausstattung ihrer Gärtchen. Sie dürfen so viele spiegelnde Glas- 
kugeln ausslellen, wie sie mögen und können, wenn sie wollen, 
alle ihre Beete mit großen rosa Muscheln einfassen. Der Prinz 
fühlt darin nicht nur als Künstler, der er ist, sondern auch als 
774-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.