Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-844728
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-847226
mehr als fünfzig Recepte giebt, darunter die berühmte elamm- 
shooder Suppe, bot -Dir. Lübbert Veranlassung, naehzuforfchen, 
ob sie auch in den Neuwerker Warten vorkäme. Es stellte sich 
heraus, daß sie hier zu Millionen im Sande lebte, gänzlich 
unbeachtet. Als Einleitung zu unserer heutigen Fahrt hatte uns 
gel?ern Abend die .Hapag eine Mahlzeit von drei Gängen mit 
verschiedenartiger Zubereitung der Musch el vorgesetzt. Sie schmeckt 
sehr gut, im ersten Augenblick leicht pfefferig, nachher angenehm 
sischig mit einer leichten Erinnerung an Gänfeleber. 
Bei den Unterhaltungen mit Dir. Lübbert, Fischermeister Blan- 
kenburg und Inspeetor Duge aus Cuxhaven trat immer wieder 
zu Tag, wie ungenügend die heimische Thierwelt noch bekannt 
ist. Es liegt mutatis mutandis genau wie noch vor kurzem mit 
der deutschen Kunstgeschichte. Jst es zu denken, daß ein Nah- 
rungsmittel wie die Strandauster so gut wie unbekannt bleiben 
konnte? Unbekannt, obwohl sie stellenweise, wie uns ein frie- 
sischer Fischer, der mit war, bei-ichtete, vom Volk schon längst 
erkannt war. Auf den friesischen Inseln ist sie seit undenklichen 
Zeiten als Nahrungs- und Genußmittel geachtet worden. 
Als das Watt leergelanfen war, fuhren wir hinaus. Die besten 
Plätze liegen ziemlich weit draußen, ziemlich dicht vor Neuwerk. 
Unterwegs kamen wir über weite Strecken mit junger Brut. 
Dicht aneinander drängten sich die kleinen Löcher, durch die die 
Muschel bei Hochtvasser ein wurmartig ausgrbildetes Mundstück, 
ich möchte sagen, einen Rüssel empor-scl,)ickt, um sich die Nah- 
rung zu fangen, allerlei junge Krabbenbrut und Kleinkrebse. Es 
scheint, als ob im Laufe der Zeit ein großer Theil abstirbt, so 
daß nur die kräftigsten übrig bleiben. An der Fundstelle an- 
gelangt, machten wir uns mit Sehaufeln ans Werk. Andere In- 
strumente stehen noch nicht zur Verfügung. In Amerika soll 
man hakenartige Apparate haben. Wo ein Loch sich öffnete, 
hoben wir die Erde ab, reinen Sand, und in Fußtiefe hoben 
wir die UUfMhtstehende Masche( aus, die die Größe einer sehr 
großen langen Kartoffel erreicht. Im Augenblick, wo die Muschcl, 
die den Rüssel- Syhon genannt, eingezogen hat, die Spatenarbeit 
fühlt, pflegt sie einen hohen Wafferstrahl aufzuspriHen. Es sieht 

        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.