Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-844728
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-846830
land am Ende des achtzehnten Jahrhunderts endgültig hergestellt 
war, sich durch den Charakter der Hauptstadt gegen London be- 
haupten wollte? 
Jm Zusammenhang mit dieser gewaltigen Stadtanlage ver- 
lieren die antiquarifchen Bauten die Konnt, die zuerst ins Auge 
fällt. Sie bekommen dafür fast etwas Nührendes. Man denkt 
an die hohe Bildung, die in Edinburgh zu Hause in. Heut würde 
sie sich hüten, aus der nordischen Stadt ein Bautenmufcum in 
Copien zu machen. In der Blüthe der hiitorifchen Bildungsform 
bedeutet der Thefenstempel in Edinburgh, was die Basilika, der 
Pt1lazzo Pitti in München, die maurifche Wilhelmina bei Stutt- 
gart und die frühchristliche Friedenskii-ehe in Potsdam aussagen. 
Eins hat E-)inburgh voraus, das ist die maleri"sche Einfügung 
dieser (und aller andern) Bauten. Nafsinirter können die Plätze 
nicht ausgesucht werden. Aber vielleicht M man umgekehrt von 
dem Platz ausgegangen und hat ein Monument dafür gesucht. 
Venedig lebt noch in der Tradition der Antike (als einzige Stadt 
unserer Tage, die angelegt wurde, als antike Städte noch auf- 
recht f7anden). Wenn Venedig ausscheidet, kenne ich nur eine 
moderne Stadt, die sich mit Edinburgh messen kann in der sorg- 
fältigen Einfügung aller Monumente. Und aus Paris dürfte das 
in C-dinburgh befolgte Pcincip stammen, denn in Paris hat sich 
aus dem Kdnigsgarten die Stadtanlage entwickelt. So sind auch 
die Kunstmittel, mit denen man in Edinburgh gearbeitet hat, die 
des fürstlichen Gartens. Nur eins hat man im Gegensatz zu 
Paris verschmäht: die Allee. Sie kommt erst weit draußen in 
der Landschaft vor, und das ist gut. Allem sind bei uns zur 
Landplage oder besser Stadtplage geworden. 
Ich habe mich bei den Buchhändlern erkundigt, ob es ein Werk 
über die Baugeschichte der Stadt gäbe, das die mir aufgestiegenen 
Fragen beantcvortete. Leider scheint es keins zu geben, und in 
der Bibliothek zu fragen hatte ich keine Zeit. 
Wir sind zwei Tage in Edinburgh gewesen. Nachdem wir die 
Masern durchgearbeitet, haben wir uns an der Stadt und den 
schönen Bauten erquickt. 
Wenn eine Stadt ihren Ruhm verdient, ist es Edinburgh. Diese 
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