Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-844728
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-846581
zu lange aufgehalten, so daß ich zu spät in die Ansstellungen 
und zu Lessing kam. 
Es handelt sich um die Gründung einer Zeitschrift ,,Haus und 
Garten-I. Ich kann nur platonisch mitmachen, werde mich aber 
sehr dafür interessiren und auch bei der Ausarbeitung des Pro- 
gramms mitthun. 
Daß ich endlich mit Borschlägen für die Plastik und den 
Fonds des Kunstvereins kommen kann, freut mich sehr. Um 
nicht einseitig zu scheinen, können wir daraus noch ein paar 
gute Statuetten, die ich auch schon im Auge habe, erwerben. 
Von verschiedenen Seiten höre ich, daß der Kaiser, als ihm 
gesagt wurde, Bruno Paul, der ihm als Director der Gewerbe- 
schule vorgeschlagen wurde, sei Mitarbeiter des Simplizissiinus, 
gefragt habe: Was ist das? Er habe keine Ahnung von der 
Existenz dieses Blattes gehabt. Scheint wirklich wahr zu sein. 
Bei Liebermanns habe ich heute gegessen. Wir sprachen viel 
über Möbel. Er hat in Hamburg reizende Stühle und kleine 
Tische für die Aussteuer gekauft und will Alles im Anschluß an 
unsern alten halbenglischen Möbelstil einrichten lassen. 
Das Moderne mag er absolut nicht, obwohl er Vandevclde 
persönlich gern hat. 
Mir wäre der Gedanke, in dessen Möbeln zu hausen, uner- 
träglich. Es sind gar keine Möbel. Für mich ist, was Vandevclde 
macht, als ob ein Dichter nicht neue Gedanken und Gefühle in 
neuen Rhythmen auszudrücken als seine Aufgabe ansähe, son- 
dern noch einen ungeheuren Schritt zurückträte, um auch die 
Sprache neu zu schaffen. Was er macht, ist für mich Volapük. 
Aber jetzt will ich aufhalten, obwohl noch Platz ist und Zeit. 
Aber ich kann doch das weiße Papier nicht sehen, -weil mir 
wundervolle symbolische Geschichten einfallen, die uns neulich 
Hat-nack in Hamburg erzählte. Er hatte eine alte, sehr fromme 
Tante, die sehr ,,klapp" war und ihm mit Vergnügen über den 
Mund fuhr. Eines Tages erzählte sie ihm, sie hätte ein Damen- 
kränzchen, aber es würden nur ernste und gediegene Sachen ge- 
lesen. Jetzt zum Beispiel der Propbet Ezechiel.  Versteht Ihr 
denn den, Tante? (Es ist ziemlich das Schwierigske in der ganzen 
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