Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-844728
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-846367
Halbinsel im Wasser lag, so wird der langgesireckte Felsen, auf 
dem Bern ruht, fast ganz von der Schlcife der Aar eingefaßt, 
die sieh ein tiefes Thal gewühlt hat. Natürlich liegt der Ursprung 
der Stadt in der leicht zu befestigenden Spitze. Von dort ist sie 
langsam in die Höhe geklettert und füllt nun das ganze Plateau. 
Geht man einer O.uerstraße nach- gelangt man überall sehr rasch 
an den Abhang. Auch der ist im alten, flachern Theil bis fast 
zur Thalsohle bebaut, und über die Dächer weg sieht man den 
Bogen des Flusses im Grunde und ienseit die hochansteigenden, 
steilen Gelände, die nun oben die neuen Vorstädte tragen. 
Wo es am Stadthügel für Häuser zu steil ist, dehnen sich schon 
seit dem Mittelalter die TerrasTen der Gemüsegärten. Mit den 
eingestreutcn Häusern ergeben sich die buntesten und abentener- 
lichsten Anlagen. Das Einzelhaus scheint selten zu sein, denn schon 
die alten Häuser haben sechs Stockwerke. Manchmal ist jeder 
Stock wie ein Haus behandelt, hat am Abhang seinen besonderen 
Eingang und seinen besonderen Terrassengarten. Man wird nicht 
müde, alle die Lebenssormen sich auszumalen, die sich dabei er- 
geben. 
In jüngster Zeit stellte sich die Nothwendigkeit unmittelbarer 
Verbindungen mit den Vororten auf den jenseitigen Plateaus 
heraus, nnd zwei riesige Brücken führen einander gegenüber von 
den Langseiten des Stadthügels hinüber. Sie sind sehr schön, und 
die Blicke auf den Fluß in schwindelnder Tiefe und über die 
Gärten, Parks und Häuser der Schluchtabhänge könnten einen 
stundenlang beschäftigen. Eine dritte, tiefliegende Brücke aus 
älterer Zeit führt unten an der Spitze der Landzuuge nach drüben, 
früher die einzige Verbindung außer den Führen. 
Auch der Fluß wirkt wie ein lebendiges Wesen. Er hat drei 
Farben wie ein Fahnentuch. Soweit das flache Kiesuser vordringt, 
ist er braun von dem durchscheinenden Geröll, dann kommt, wo 
man es nicht mehr sehen kann, während es doch noch Licht zu- 
rückwirft, ein Streifen Seegrün, und wo der Strom sich im äußern 
Bogen ein tiefes Bett gegraben hat, ist er sattblau. 
Ich wohne ganz oben in der neuen, regelmäßigen Stadt, wo 
es keine Lauben mehr giebt, im Berner Hof. Mein Fenster geht 
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