Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-844728
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-846315
Gesten-n Abend war ich hier im Bat-ists, das genau dieselben 
Neigungen offenbarte. Die .Ht-moristen und N(-citatoren bewegten 
sich in den N:-gionen jenseit aller Zweidentigkeit, und das Publi- 
kum wieherte darein. Alles in Simplizissimussiimmung, nur 
daß das Wiizblatt doch noch Grenzen beobachtet, so weit sie auch 
gezogen sein mögen. 
In den Anzeigen stand: Fatnilienabend. Das zahmfte von den 
Liedern war eine Ballade auf eine Gräs1"n und einen Abbe, es 
hätte im Titel auch noch ,,das Diner" genannt werden können. 
Die Tendenz ging gegen den Adel, die Geistliehkeit und das 
Wohlleben der Reichen und ihre Sündhaftigkeit. Was die Worte 
nicht sagen durften, hob die Betonung oder eine Verschleierung 
der Stimme heraus. Und diese grenzenlose Plattheit und user- 
lose Getneinheit wurde nach der ergreifenden Melodie einer alten 
Marienklage gesungen, deren Pathos überaus geschickt benutzt 
wurde, alle Frechheiten mit großen Gebärden auszustatten, und 
wurde auf einem Hartnonium mit feierlichem Orgelklang be- 
gleitet. Die Wirkung auf die Tausende, die den tiesenhaften 
Rundbau füllten, war niederdrückend. Das ist das Niveau un- 
serer Massen. Oder ist es in alle Ewigkeit das der Massen über- 
haupt, sobald sie nicht durch die Macht einer religiösen Empfin- 
dung hingerissen werden? 
Wenn zwischen all diesem Gesi(inker die Akrobaten aus den 
Culissen kamen, fühlte man sich in eine Sphäre von Reinheit, 
Sauberkeit und Adel entrückt. 
Dabei diese erstaunliche Sprachtechnik, die jeden Schauspieler 
neidisch machen könnte. Wenn die Wagners(inger so sprechen 
könnten wie diese Couplct- und Balladenscinger! Auch hier züchtet 
das Bat-ists .s2öl)enleistungen, denn was im Vari6te'- gesagt und 
gesungen wird, muß verstanden werden, sonst gilt es überhaupt 
nicht. 
Mannheim-Mainz, den 23. October 1905. 
Daß ich mir für die benachbarten Städte ein Stadtquartier 
in Darmftadt bereitet habe, thut seine Wirkung. Es beruhigt sehr. 
Das Ergebniß in den beiden Sttidten war sehr gering. Aus 
lot
        

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