Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-839791
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-840685
daillen des ersten Napoleon haben einen klotzigen, aber immer- 
hin noch gewissermaßen imponirenden Stil, die des dritten sind 
die absolute Misere. Eine Wendnng tritt schon in den ersten 
Jahren der dritten Nepublik ein. Das war eine Bestätigung 
meines Schlusses, daß die Wiederbelebung der Medaille der jüng- 
sten Vergangenheit angehöre. 
Nun hatte ich aber unter all den endlosen Serien die schönen 
Gußmedaillen, die mir von den Ansstellungen in Erinnerung, 
nicht gefunden. Man sagte mir, als ich nachfragte, ja, die sind 
zwar sehr schön, wir sammeln sie aber nicht, wir haben nur, 
was auf der Münze geprägt wird. Doch genügte das Material 
des Kabinetts die .s2auptdaten der Bewegung festzustellen. Merk- 
würdigerweise geht sie fast parallel der Neubelebung der Na- 
dirung. 
Wie Dürre und Rembrandt die Kupferplatte selber bearbeiteten, 
so hatten die alten Medailleure selber die Modelle ihrer Medaillen 
hergestellt und waren auf diesem Wege zu ganz ähnlichen künst- 
lerischen Resultaten gekommen. Nachher geriethen Kupferstich 
und Medaille in die Hände handwcrklieher Halbkünstler, die nur 
copirten, der St(-eher nach dem Bilde, der Medailleur nach fremdem 
Entwurf. Damit hatte der künstlerische Charakter beider im letzten 
Grunde aufgehört. Heute nun geht der Stecher und Radirer 
wieder direct der Natur zu Leibe, mit welchem ungeahnten Cr- 
folg, zeigen die Arbeiten Klingers und Stauffers auch bei uns; 
und in Frankreich haben sich einige künstlerische Begabungen 
ersten Ranges auf die Neubelebung der Medaille geworfen. 
Den Anfang machte vor etwa 2O Jahren der alte Ponscarme, 
der zuerst den Medaillenrand wegließ, weil er ängstlich und be- 
engcnd wirkt, die Schrift in künstlerischem Sinne umgestaltete 
und den blanken polirten Grund, auf dem der Kopf so hart sich 
abhob, durch einen unpolirten ersetzte. Seine Medaillen zeigen 
mit einem Schlage ein anderes Gesicht. Die weiche zarte Mo- 
dellirung wirkt aus dem weichen Grund ungemein kimstlerisch. 
Sein Werk wurde fortgesetzt von Chaplain nnd Noth, neben 
denen noch einige hervorragende jüngere Meister arbeiteten.
        

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