Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-839791
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-843904
an die Schwelle des Greisenalters oder selbst darüber hinaus in 
steter Machtentfaltung verlaufen. 
Worin liegt bei Knaus die Ursache einer solchen rückläufigen 
Entwicklung, wenn nicht in den Ansstellungen? Bei all seinem 
Talent war er nicht stark genug, ihrem herabmindernden Ein- 
fluß zu widerstehen. 
Sein .Hdchstes ist zweifellos das Bildniß seines Vaters und 
Schwiegervaters als Damenbrettspieler aus dem Jahre 1862. 
Das ist ein Bild, das kein anderer hätte malen können. Sehr 
nahe steht diesem Meisterstück das Bildniß des alten RavenE-, 
das fünf Jahre älter ist. Auch hier ist das Bildnis Genrebild 
geworden, und wie der Künstler im Katalog das Gruppenbild- 
niß seiner beiden alten ,,Die Damenbrettspieler" nennt, so 
könnte das Bildnis; des alten Navenc-S and) ,,Der Kunstfreund" 
heißen. Wenn Spitzweg sich die Aufgabe gestellt hätte, einen 
Bilderfreund zu schildern, dessen Auge, während er die Brille 
putzt, schon das Bild auf der kleinen Staffelei sucht, vor der er 
sitzt, so würde er sie wohl ähnlich und ebenso gelöst haben. 
Auch unter den anderen Bildnissen sind noch einige nahe heran- 
reicheude Leistungen, das von David .Hansemann zum Beispiel, 
von 1860, und ein ganz kleiner Kopf von 1868, der Maler 
Teschendorff. Aber dann folgt ein furchtbarer Absturz bei den 
Bildnissen der Jahrzehnte von 1870 ab (das furchtbare Familien- 
bildniß Strousbergs), bis ganz zuletzt. .Hingen s"te an einer 
Wand, und es käme ein guter Gröger dazwischen, etwa unser 
Pastor Behrmann, es wäre Todtschlag. Jmmerhin bringt Knaus 
noch gelegentlich eine ausdrucksvolle Silhouette wie auf dem 
Bildniß des elegantes: jungen Paul Thicm. 
Daß die besten Bildnisse von Knaus seine bedeutendsten 
Sittenbilder überragen, ist sehr charakteristisch. Sie sind nicht 
,,für die Galerie gefpiclt", er wollte nichts mit ihnen erreichen. 
Bei den Sittenbildern tritt diese Tendenz etwa von der Mitte 
der sechziger Jahre ab stärker und stärker hervor. Sein Höhe- 
punkt scheint mir in den Jahren 1860-66 zu liegen, wo die 
Schufterjungen, die Passeyrer Raufer (beide Galerie Behrens) 
und der hungrige Wär-ter (Galerie Amsinck) entstanden. Das 
Z96.
        

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