Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-839791
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-843681
Mit den Worpswedern weiß ich nicht sehr viel anzufangen. 
Ich würde fragen, wie soll das ein Menschenleben hindurch 
weitergehen, aber der Kunst gegenüber sind solche Fragen immer 
thdricht. Sie läßt sich nicht ausrechnen. Und schließlich ist es 
Sache der Worpsweder, sich diese Frage zu stellen und zu be- 
antworten. 
In München werden schon viele Worpsweder Bilder gemalt, 
und die Münchener Scile in Dresden sind voll davon. Hans 
Bartels wandelt sich. Ein Bild auf der Ausstellung sieht von 
weitem Breitner ähnlich und scheint unter dessen Einfluß zu 
stehen. Sonst lauter bekannte Sachen. 
Bei den Düsseldorfern ein Neuer, Bernhard Winter, ursprüng- 
lich von der Dresdener Akademie kommend, mit einer Bauern- 
hochzeit aus Niedersachfen, luftlos, mit, wie es scheint, bewußter 
Ungefchicktheit hie und da Ver-zeichnet, aber Von einem silbrigen 
Ton, der gar nicht düsseldorfisch ist und mit einer Fähigkeit, die 
Pht)siognomien eines anderen 3eitalters glaubhaft zu machen, 
daß der Kenner alter Bauernbildnisse starr steht. Wohin wird 
der Künstler gehen? Man muß ihn im Auge behalten. 
Aus Karlsruhe hat Kalckreuth ein Bildniß seiner kleinen Tochter 
geschickt, das ich aufs Höchste bewundere. Wir müssen es in 
Hamburg kennen lernen. Vor einer solchen Leistung bedaure ich 
fast, daß ich dem Künstler persönlich nahe stehe. Grethes Hafen- 
bilder machen hier großes Aufsehen. Eins ist für die Dr-esdener 
Galerie angekaust. Sie waren für unsere Sammlung von Bildern 
aus Hamburg in Aussicht genommen, aber die Preise ließen sich 
nicht erschwingen. Klinger ist mit seinem Christus im Olymp in 
einen ganz dunklen Saal gekommen. Man sieht das Bild kaum. 
Die Kranachausstellung hat mich sehr interessirt. Leider hatte 
ich nicht soviel Zeit, mir ein eigenes Urtheil über die bekannten 
Streitfragen zu bilden. Ich bin gespannt, wie sieh der Eindruck, 
den ich gewonnen, zu den Untersuchungen der Specialisien ver- 
halten wird. An die Jdentitöt des Grünewald, dem man die 
Aschaffenburger Kreuzigung und die beiden großartigen Holz- 
fchnitte des Berliner Kupferstichkabinetts zuschreiben will, mit dem 
jungen Kranach glaube ich nicht. , 
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