Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-839791
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-843627
Localangelegenheit geworden. Wir wenigen Mitarbeiter für den 
nährenden Theil können die Last nicht in infinitum auf uns 
nehmen. 
Aber wir können doch mit Befriedigung auf die Thatsache 
zurückblicken, daß der Pan vier Jahre existirt hat. Er hat un- 
endlich viel Anregung gegeben, man spürt das auf Schritt 
und Tritt. 
Dann war ich bei Tschudi in der Nationalgalerie. Er zeigte 
mir als neuesie C"rwerbung das Bdcklinbildniß mit dem geigenden 
Tode, das 2)ieichenheim vor einem Jahrzehnt für M. Z000.- 
gekauft hatte. Tsc.hudi hat es aus Baseler Privatbesitz ietzt für 
M. 50000.- erworben. Das ist überaus lehrt-eich für uns. Vor 
fünfzehn Jahren wäre eine deutsche Galerie, die es vom KünA- 
ler für tausend Mark erworben hätte, in Acht und Bann gethan. 
Heute wird auch das große Publikum Tschudi dankbar sein, daß 
er es überhaupt möglich gemacht hat, es der Nationalgalerie zu 
erlangen. 
Ich fragte Tschudi nach seiner Bcgegnung mit dem Kaiser 
auf dem Ordensfesi. Die Umstehenden haben die kurze Unter- 
haltung durch ganz Berlin getragen. Ich hatte mit Mißtrauen 
die verschiedenen Versionen vernommen. Aber das Wesentliche 
stimmte. Der Kaiser redete Tschudi sehr forsch aber sehr freund- 
lich an und beklagte sich, daß es nun auch in Berlin eine Se- 
cession geben sollte. Tschudi meinte, er fände das sehr erfreulich, 
da nur auf diesem Wege aus der Ver-sumpfung des Aussiellungs- 
wesens am Lehrter Bahnhof herauszukommen sei.  Ganz 
recht, die Ansstellungen waren schlecht, meinte der Kaiser, aber 
die unfertigen Bilder der Secessionisien würdens doch nicht 
besser machen.  Unfertigkeit sei ein sehr relativer Begriff, er- 
widerte Tschudi.  Und dann der widerliche Kultus der Per- 
sönlichkeit, den die Leute treiben, fuhr der Kaiser fort, das ist 
die reine Socialdemokratie. - Im Gegentheil, entgegnete 
Tsrhudi, das wäre ein sehr aristokratisches Princip.  Aber 
jeder will der Herr fein, rief der Kaiser.  Es ist dafür gesorgt, 
daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen, sagte Tschudi. 
Dann brach der Kaiser ab: Nu, ich werde mal in die National- 
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