Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-839791
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-843606
Degas die Schöpfung neuer Töne und neuer Kombinationen, die 
nicht aus der Natur direct stammen, sondern aus der künü- 
lerischen Phantasie. Er dichter mit der Farbe, wie es die großen 
Japaner gethan haben. Um sein künstlerisches Wesen zu um- 
schreiben, müßte man erst feststellen, was er nicht giebt, einerlei, 
ob er es nicht hat oder nicht will. Er bewegt sich auf einem 
ganz engen Stoffgebiet, über das Ballet und den Sport geht er 
selten und je länger desto seltener hinaus. Und er sieht diesen 
Theil der Welt nur als 3eichner und Maler, nicht als Dichter 
oder Erzählen Hier müßte man vergleichen, wie Andere das 
Balle: behandeln. Dann sieht er seine Modelle ohne eine Spur 
menschlichen Mitgefühls an. Es muß ihm ganz einerlei sein, ob 
er eine Balletteuse oder einen Flamingo vor sich hat. Was in 
den Mädchen lebt, ist ihm völlig gleichgültig. Er hat keine Spur 
der tiefen menschlichen Sympathie Rembrandts. Es iß in ihm 
etwas von dem abstracten Wesen Menzels, etwas Geschlechts- 
loses, Unmenschliches, Grausames. Aber bei all dieser Beschränkt- 
heit, welch ein Reichthum an rein malerischer Gestaltungskraft, 
und welch eine Originalität in der unschematischen Komposition, 
die doch nie blos Ausschnitt ist, sondern nur eine ganz neue Art, 
von der Tradition abweichend, zu bilden und seine Gestalten in 
den Raum zu stellen. Das ist neben seiner neuen Farbe viel- 
leicht sein Stärkstes geworden, die Darstellung des Raumes, 
und auf diesem Gebiet liegt wohl auch seine eigentliche Ent- 
wicklung. Man müßte aus allen seinen Epochen einmal eine 
Reihe typischer Raumbildungen zusammenstellen, um dies Mo- 
ment augenfällig zu machen. Von dem, was er ausdrückt, läßt 
sich eigentlich nicht reden, und das ist der beste Beweis, daß er 
rein malerisch arbeitet. Seine Stärke und seine Grenzen sind 
damit bezeichnet. Ich glaube, er wird stets eine Kunst für Künst- 
ler gemacht haben. Sehr neugierig bin ich, Liebermanns Aufsatz 
kennen zu lernen. Er sagt, es wird ihm schwer, seine Gedanken 
niederzuschreiben, während er doch in der Schule sich immer 
durch seine guten AufsäHe herausgerisTen habe. Ich glaube es 
schon: jetzt ist er an ein Schaffen im Raum gewöhnt, einen 
Esfay schreiben ist Schaffen in der Zeit. . . . 
Ists
        

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