Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-839791
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-843244
modellirte Kopf eines Mannes mit einem mächtigen eisernen 
Nagel mitten durch den Schädel befestigt. Die Erklärung deutet 
auf eine That des französischen Bauernaufstandes, der den an- 
gestan1mten Herrn wie einen Raubvogel behandelt hat. - Ein 
Künstler hat die Aufgabe bekommen, ein Grabmal für im Kampf 
Gefallene zu bilden. Er stellt sich vor, sie seien lebendig in die 
flache Gruft geworfen und mit einer mächtigen Felsplatte be- 
deckt. Von einem ragen die beiden in Bronze ausgeführten 
nackten Arme heraus, deren Hände sich in verzweifelter Anstren- 
gung mit krummen Fingern in den glatten Stein zu krallen 
suchen. 
Ich möchte wissen, ob solche Gedanken auch einem Bildhauer 
germanischer Rasse einfallen und ob er, wenn sie ihm kommen, 
sie kaltblütig bis in die äußerste Eonsequenz zu gestalten im 
Stande ist. Man fühlt sich vor solchen Kunsiwerken auf dem 
Boden, der die Jacquerie, die Revolution und die Commüne 
getragen hat. Und dergleichen sieht man nicht nur von jungen 
Leuten, die bekannt werden wollen. Gär6me hat diesmal eine 
Art Tamerlan in vergoldeter Bronze mit reichem farbigen Email- 
schmuck ausgestellt, einen ruhig haltenden Reiter, der unter sich 
auf dem Boden einen hohen Haufen abgehauener Menschen- 
kbpfe liegen hat, Männerköpfe, Weiberkdpfe, Kinderköpfe bunt 
durcheinander und jeder mit dem erstarrten Ausdruck einer in- 
dividuell gefühlten Angst, eines Entsetzens, der jedesmal einen 
andern Anlaß hatte. 
Von all dem Schrecken habe ich mich in der Ausstellung Mo- 
nets bei Gebt-ge Petit erholt. 
Monet hat singen gelernt. III) habe von ihm nie so stark den 
Eindruck unendlichen Glückes im Anschauen der Natur erhalten. 
Er will nicht erfinden, aber er findet. In dem großen Saal ist 
auf einer Wand vier-zehnmal dasselbe Landschaftsmotiv aus- 
gestellt, vierzehnmal in anderer Licht- und Luftstimmung. Es ist 
ein Teich, dessen Spiegel bis zur Mitte des Bildes hinaufreicht. 
Links am Rande eine hohe Buschcoulisse, rechts weiter hinten 
eine niedrigere, dazwischen weit im .Hintergrund Büsche am Ufer. 
Der Spiegel fängt Alles auf, sodaß alle Silhouetten umgekehrt 
J30
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.