Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-839791
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-840072
Sk das Bild aus der Hand, zerriß es und reichte die Stücke 
wortlos zurück. Ungern bequemte er Ach, dem Grafen Kalckreuth 
für das Bildnis der Kunsthalle zu sitzen und erwies sich dann 
als ein recht ungefügiges Modell. 
Seine Bewegungen waren leicht und rasch; die starke Kon- 
ititution ließ ihn körperliche Anfirengungen unbeschwert ertragen. 
Er konnte, zumal auf seinen vielfachen Reisen, den ganzen Tag 
mit einem Hin und Her von Besuchen, Besprechungen, Besichti- 
gnngen verbringen, das versäume Gabelfrühftück in einer aus- 
giebigen späten Mahlzeit nachholen, die halbe Nacht bei einer 
Flasche Burgunder verplaudern, um am anderen Morgen als 
der erste wieder am Platze zu sein, bereit, dasselbe Leben zu 
wiederholen. Seine Korrespondenz hatte er erledigt, wenn seine 
Reisegefährten am Rasiet-spiegel standen, und seine manchmal 
umfänglichen Briefe an die Kommission der Kunsihalle ent- 
standen ohne Zeitverlust nebenbei und nicht selten in unglaub- 
lichen Situationen: während einer Auktion oder einer Sitzung, 
im Vari6t6theater oder im Eisenbahnwagen. Er mochte sich and) 
in Hamburg nicht an eine heilsam regelmäßige Ordnung der 
Existenz binden, war ein sehr rasches Tempo des Lebens ge- 
wdhnt, hatte es selber angegeben und beseufzte es dann ge- 
legentlich als quälend. Immer wieder tauchten in seinem Ge- 
spräch und in seiner Korrespondenz Pläne auf, die liegen bleiben 
mußten, Anregungen, die er nicht weiter verfolgen konnte, Bücher, 
die er schreiben wollte, wenn er nur Zeit hätte. Bisweilen wan- 
delte ihn die Sehnsucht nach stiller Zurückgezogenheit an. Als 
sein Plan des Neubaues der Kunsthalle ernsten Schwierigkeiten 
begegnete, behauptete er, er würde im Falle einer Ablehnung 
nach Berlin über-siedeln, einen Roman schreiben, den er längst 
im Kopfe habe, und der Schreiber dieser Zeilen möge dann als 
sein Nachfolger sehen, wie er mit der Kunsthalle und ihrer Bau- 
not fertig würde. Man durfte indessen einen leisen Zweifel in 
die Ernsihaftigkeit solcher Drohungen setzen. 
 Das rasche Tempo der Lebensführung brachte es mit sieh, daß 
er bei aller UnrasI doch für die verschiedensten Dinge Zeit fand. 
Weil ihn vielerlei beschäftigte, so beaehtete er manches, an dem
        

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