Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-839791
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-841697
München, den 7.September1894. 
Meine Hoffnung, ich würde nach Roty"s Abreise mehr mein 
eigener Herr sein, erfüllt sich nicht. Im Gegentheil, Benedite 
kommt nun mit vielen Fragen heraus, die er in Gegenwart von 
Noth nicht berührt hatte, und nun heißt es, ganze Fragebogen 
erledigen. 
Aus dem Allem geht hervor, wie ernsthaft man jetzt die deut- 
schen Verhältnisse zu studiren sich bemüht. Merkwürdig, wie sich 
die Dinge nach natürlichen Gesetzen entwickeln. Frankreich hatte 
früher als wir angefangen, seine Museen zu organisiren. Ein 
Geschlecht energischer Männer führte die Arbeit durch. Nach 
Deutschland, vor allem nach Kopenhagen pflanzte sich die Be- 
wegung fort. Jn Deutschland kamen englische Einflüsse dazu 
und führten zu einer so rationellen Ausbildung des Museal- 
wesens, daß wir heute an der Spitze stehen. 
Frankreich sieht sich überholt. Auf die Anreger, die die Ein- 
richtungen geschaffen hatten und neue Bahnen gewiesen, folgten, 
wie meist, die blos verwaltenden Bureaukraten, man gab wohl 
auch den Directorposten als Sinecure weg, und die Folge war 
Stillstand und Rückgang. 
Nun ist wieder ein Geschlecht von jungen Leuten in die leitest- 
den Stellungen gekommen, wie überhaupt in Paris jetzt überall 
junge Leute steinern: ein Minister von J0 fällt garnicht auf. Und 
die Jugend kommt jetzt zu uns, um unsere Erfahrung kennen 
zu lernen, und wird sich im nächsten Zeitabschnitt Mühe geben, 
die Berliner und Dresdener Museen zu überbieten. In Bezug 
auf die Organisation der Arbeit ist es kaum möglich. Das soll 
ebensogut gemacht werden in den französischen Museen. Der 
Schritt, den sie über den geltenden deutschen Typus hinausthuu 
wollen, ist meines Erachtens der einzig rationelle. Sie wollen 
die MUseeU Nicht als SOhsIUbUdM höherer Art entwickeln, sondern 
ihnen volkswirthschastliche Funetionen zuweisen. Das schlägt in 
unsere Kerbe. 
Dienstag Abend kamen wir in Nürnberg an. In der Bahn 
hatten wir den Stadtplan analysirt, und ich hatte versucht, ihnen 
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