Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-839791
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-841652
stände, meinte er, dann fühle er sich als homme du nord. Wäre 
er Maler, dann würde er wünschen, solche Sachen zu machen. 
Schöne schien ganz bezaubert Von seinem Wesen und von seinem 
eindringenden Versiändniß. .  
Dresden, den I. September 1894. 
.  Zwischen zweiMuseumsb?uchen habe ich, als die Franzosen 
sich ausruhten, die beide von al dem ihnen Neuen stark ergriffen 
sind, den Reichstag-zbau besucht, wollte auch zu Vogel wegen 
unserer Medaille, traf ihn aber nicht. Der Bau ist abgerüsiet und 
bietet dem, der ihn langsam hat entstehen sehen und durch die 
Gerüste betrachtet hat, eine große Überraschung. Er gefällt mir 
jetzt viel beß"er als ich gedacht hätte, und ich glaube einen bessern 
modernen Bau, was das Ganze anlangt, giebt es in Berlin nicht. 
Was mir an den Einzelheiten, wie sie nach und nach zu Tage 
traten, nicht gefallen hat, imponirt mir auch jetzt nicht, aber daß 
der Gesammteindruck ein so geschlossener sein würde, hätte ich 
nicht gedacht. Die Franzosen sind natürlich etwas kritischer, aber 
auch sie lassen die Qualitäten gelten. Über die Details zucken sie 
die Achseln, namentlich über die Sculptur. 
Übrigens hatte ich mir gedacht, sie würden sehr viel absprechen- 
der über deutsche Dinge urtheilen. Aber ich habe gesunden, daß 
sie da, wo etwas Gutes vorhanden ist, mit einer gewissen Wärme 
nachfühlen. Unbarmherzig sind sie gegen allen wilden Strick und 
gegen die banale akademische Architektur, die so gut und so schlecht 
in Kanada, Melbourne, Edinburg und Paris gezeichnet sein könnte, 
wie in Berlin. 
In Dresden haben wir heute das herrlichste Wetter gehabt. 
Beim Kaffee erklärte ich den Franzosen die Karte. Es interessirte 
sie sehr, zu sehen, wie die Furt, später die Riesenbrücke den Ur- 
sprung der Stadt erklärt; wie die .Herzbge ihr Schloß direct vor 
die Brücke gewissermaßen als Brückenkopf bauten, daß der Zu- 
gang in Kriegs- und Friedenszeiten von ihrem Willen abhängig 
war, wie denn auch heute noch die .Hauptstraße mitten durch das 
Schloß führt. Dann zeigte ich ihnen, wie August der Starke sich 
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