Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle
Person:
Lichtwark, Alfred Pauli, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-839791
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-841022
feinem Humor erzählt, daß ich mir Versprechen ließ, er wolle es 
mir genau so aufschreiben. Manchmal war der Kopf des alten 
Herrn ganz von Fliegen bedeckt, und wenn er im Affect das 
Haupt schüttelte, umsummten sie ihn wie eine wolkige Gloriole. 
 Den Entwurf zu seiner Verfassung habe ich mitgebracht. Es 
sind höchst interessante Gedanken nnd Wendungen darin. Bis 
zwei Uhr hielt er mich fest und brachte mich dann zur Bahn. 
Ich hätte mich nicht sehr gewundert, wenn ich schließlich als 
Fliege davongesummt wäre. Wir können froh sein, daß es so 
abgelaufen ist. Beim Abschied sagte er mir: Les Luxemdourg 
t1'aura pas mon oeuvre, I-1ambourg kaum. 
Zu Hause fand ich die Loge des Präfecten Loz6, die er mir 
durch Noth hatte zustellen lassen, Th6ätre Franc;ais, für mich 
und die Hamburger Familie. Das kommt davon.I Es ist Nr. I? 
im ersten Rang, sehr guter Platz, aber sonst unverwerthbar. 
Keine F:-anzösin würde einen Fuß hineinsetzen. 
Nachmittags war ich beim alten Dubois, der mir eine Reihe 
wichtiger Aufzeichnungen gemacht hatte. Dann habe ich die 
Photographien ausgesucht. Wir werden die großen französischen 
Bildhauer in ihren besten Werken ietzt haben müssen. Die Sachen 
kommen zur Ansicht. Auch bei Antiquaren habe ich mich um- 
gesehen. Man spart gegen die Frankfurter und Berliner Anti- 
quare, die fast alles in Paris kaufen, 20-30 Procent, unter 
Umständen mehr. 
Da ich mit Chaplain nicht anders fertig werden konnte, habe 
ich ihm geschrieben. An einem Abend drei Briefe, bis es kurz 
und bündig genug war. Als ich heute bei ihm vorsprach, emp- 
fing er mich lachend und verabredete eine gemüthliche Besprechung 
auf Sonntag früh. Die Sache scheint mir auch in Ordnung.  
Dann sprach ich noch bei Noth vor, der nun auch endlich ein- 
willigt, uns die Arbeiten seiner Entwickelungszeit zu schicken  
so weit er sie hat. Denn das ist das Merkwürdige, es ist schon 
fast unmöglich, gewisse Arbeiten auszutreiben.  
Bis Dienstag werde ich wohl noch zu thun haben. Zu den 
 
I Die folgenden beiden Sage fehlen in der Handschrift. 
108
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.