Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst der vor- und außerchristlichen Völker
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834561
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3816245
Die Baukunft der Neger. 
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eine reichere nördliche Kultur sich über das Negertum hinschiebt, so zeigt eine künstlerische Über- 
legenheit der Bewohner dieses Landstrichs sich gerade im Haus-ban. Jn König Umorus Woh- 
nung zu Bida tragen nach Flegel geschniZte Holzsäulen das tief herabragende Strohdach; und 
knnstvoll geschnit3te Thiirfliigel entsprechen den Säulen. Südlich von Bida aber, an der eigent- 
lithen Guineaküste, also wieder in reinem Negergebiet, ist vor kurzem in der alten Landes- 
hauptstadt Benin, die 1897 von den Engländern erobert wurde, eine bereits durch europäische 
Berichte des 16. Jahrhunderts bezeugte, also wirklich halb geschichtliche Kunstwelt wieder auf- 
gedeckt worden, die auch auf dem Gebiete der Baukunst weiter entwickelt gewesen zu sein scheint 
als irgendwo im tropischen Afrika. Die Verandastützen und die Balken der flachen Decke des 
von Turmpyra1niden iiberragten Königspalastes waren mit reich reliefierten Bronzc-platten 
bekleidet, und eine mächtige eherne Schlange wand sich dräuend vom Mittelvorsprung des 
Daches herab. Die alten Beschreibungen wurden hier durch die Funde bestc"itigt. Lebensgros3e 
Köpfe solcher Schlangen besitzen die Mufeen für Völkerkunde in Berlin und Dresden. Im Ver- 
liner nnd im British Museum befinden sich aber auch Vronzeplatten, die den Von Negerwachen 
besetzten, mit abgeschnitte-    
neu Europäerköpfen ge-  
schmiickten Palasteingang   
selbst naturgetreu abbilden.   fj;"LFt,t, 
Die Bi td n etei ist die  J 
Hauptkunst der Neger, für      
die sie fast alle eine gewisse         
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Veg(1b1mg zeigen- Haupt-     
sachlich kommen auch hier  ,  
HOIsschIIs1ssrsisII III Be-   
kracht- die in der Regel Un- Hütte der Monbutttc.  
bemalt bleiben; doch spielt 
daneben die Elfenbeinschnitz,erei besonders im Westen Afrikas eine große Rolle, und selbst an 
figiirliche1n Metallguß fehlt es dort keineswegs, ja die Bronzekunst der Guineakiiste gehört zu 
den lehrreichsten Leistungen der ganzen ethnographifchen Kunst. Im allgemeinen aber zeigt sich 
die Negerbildnerei von einer anderen Seite als die Plastik der paeifischen und amerikanischen 
Völker. Sie ist niichterner und realistischer. Die Einbildungskraft der Neger schweigt nicht in 
wunderbaren Zusammens1"igungen der Tier- und Menschengestalten, sondern setzt sie, wo fie- 
hier wie dort, stammbau1nartig zufa1n1nenwirken sollen, in möglichst einfache und natürliche 
Beziehungen zu einander. 
In den Verhältnissen der menschlichen Gestalten sind auch hier die Beine fast überall zu 
kurz, aber der Kopf pflegt nicht 1"tbermäs3ig groß, eher der Leib in die Länge gezogen zu fein- 
wie sich das z. B. in der abgebildeten weiblichen Ahnenfigur der Bongoneger ausspricht (s. die 
Abbildung, S. 70). Die Phantasie der lachluftigen Neger ist k)UI1PtfäOk)Uc) (IUfs GWkCskS- 
Komische, Sonderbare gerichtet; ihre Bildnerei neigt dem entsprechend zur Karikatur, zur Hek- 
vorhebung des Häs3lichen, des Absonderlichen, des Unanftändigen; und wo ganz abenteuerliche 
Menschenbildungen zu Tage gefördert werden, spricht die Absicht, zu erschrecken und gruseln zu 
machen, unzweifelhaft oft genug mit. 
Unmöglich ist es, in der afrikanischen Menschenbildnerei streng zwischen GöHen, Ahnen- 
bildern, die hier vielfach als ,,Seelenbilder" bezeichnet werden, Erinnerungsbilderu an
        

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