Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst der vor- und außerchristlichen Völker
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834561
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3816082
SchniH- und RiHarbeiten von Neumecklcnburg und Malakka. 
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Wolken anstatt auf fernen Jnseln im Meere gesucht wird, der Totenvogel; und als dieser gilt 
eben im ganzen malaiisch-melanesisch-pol1)nesischen Gebiete vorzugsweise der Nashornvogel. 
Der geösfnete Tierracheu, aus dem Menschengestalten hervorragen, ist nicht das Sinnbild des 
Verschlingens, sondern das Sinnbild engster Verbindung, des Hervor-wachsens des einen Ge- 
schöpfes aus dem anderen. 
In Deutschland sind die ethnographischen Museen von Berlin, Dresden, München und 
Hamburg reich an Arbeiten dieser Art. Unsere Abbildung S. 54 zeigt einen Gebäudeaufsat;. 
des Berliner Museums, in dem eine aus Muscheln und C-insiedlerkrebsen zusammengeseHte 
menschliche Gestalt verarbeitet ist. 
Auch nach Ritzzeichnungen und ihren Deutungen müssen wir uns noch außerhalb Neu- 
guineas im melanesischen Gebiete umsehen. Bilderschriftartige ges cl)wärzte Ritzzeichnungen finden 
sich besonders auf Stäben und Stöcken aus Bambusrohr, 
wie bei den Negritos in der ,,melanesischen Diaspora" V 
(Ratzel) der Halbinsel Malakka, so bei den Bewohnern V. S  
Neukaledoniens (s. die nebenstehende Abbildung) und der   
Neuen Hebriden. Bei den Negritos (Oraug Hutan, Orang  
Semang) von Malakka handelt es sich um die neuerdings  -H   
von Stevens und Grünwedel ans Licht gezogenen einge-    
ritzten und mit Holzkohle eingeschwärzten Muster auf den     ..ss;"-Ists.    
Vambuskämmen der Frauen, den BaIubusköchern, Blas-       
rohren und Zauberstäben der Männer, die man im Ver- -  E      
liner Museum für Völkerkunde kennen lernt. Die Muster      I 
bestehen scheinbar aus geometrischen Figuren, wie Win- "    
kein, Dreiecken, Vierecken, Kreisen, Zic"kzackliuien; bei nähe-      E  J 
rer Untersuchung aber haben sie sich durch die Aussagen 
Eingeweihter als stilisierte und abgekürzte Darstell1mgen  Im 
wunderwirkender Tiere und Dinge erwiesen: Zickzacklinien   Museum. 
z. V. gelten als Froschbeine, diese als ganze Frösche, 
die den Sumpf andeuten, in dem sie leben. Im Zusammenhang bilden diese Zeichen Zauber- 
for1neln, welche die Träger der Gegenstände vor Krankheiten und anderen Gefahren schützen 
sollen. Jede Gefahr hat ihre besondere Formel, jede Formel ihr besonderes Muster. Ähnliches 
findet sich, nach Kämmen des Dresdener Museums zu urteilen, bei den Negritos der Philippinen. 
Den wilden, der Menschenfresserei ergebenen Melanesiern gegenüber bilden die Mikrone- 
sier und Polynesier zusammen ein einheitliches, wenn auch nicht in allen Stücken gesitteteres 
nnd besitzreicheres, so doch weicheres und sinnigeres Geschlecht. 
Die Mikronesier machen im ganzen den Eindruck eines von einer ehemals höheren 
Kulturstufe herabgestiegenen Völkchens. ,,Ein leiser Hauch geschichtlitY)eU LEbEUs"- sagt Rahel, 
,,umschwebt melancholisch ihreDörfer und die Einsamkeit der überflüssig gewordenen Ringmälle 
auf den Hiigeln." Finsch spricht umgekehrt wiederholt von den ,,präl)istorischen" Vauten dieses 
Jnselgebietes. Die unbekannte Geschichte dieser Völker, die seit kurzem im Schutze des Deutschen 
Reiches stehen, erscheint unseren Augen eben als Vorgeschichte. Namentlich auf den Karolinen, 
z. B. auf der alten Häuptlingsinsel Lälla (Leilei) bei Kuschai (Kusaie) und auf einer kleinen 
Basaltinsel bei Ponape, finden sich gewaltige, zum Teil holzstoßartig aus l("ingsliegenden
        

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