Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst der vor- und außerchristlichen Völker
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834561
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3820612
Der römifche Bat-ockstil in Algier, Pal1nyra, Baalbek, Gerasa und Haurän. 
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Ephesos, schon dem Claudius geweiht, zeigt einen Fries von geschwungenem Profil; derjenige zu 
Labranda gar einen auswärts gebogenen Fries; die Mauer des Aphroditetempel-Bezirkes zu 
Aphrodisias aber war durch korinthische Doppelsäulen belebt, die abwechselnd Dreieck- und 
Rundgiebel trugen. 
In Algier stellt der dreithorige Bogen von Timegad, dem afrikanischen Pompeji, ein ver- 
hältnismäßig friihes Beispiel willkürlicher Anwendung 1"iberlieferter Baufor1nen dar. In Syrien 
besitzen Palmyra (Tadmor), Heliopolis (Baalbek) und Gerasa (Dscherasch) gewaltige Reste von 
,,barocken" Gebäuden der römiscl)en Kaiserzeit, die man beim ersten Anblick geneigt sein 
konnte, dem 17. oder gar dem 18. Jahrhundert n. Chr. zuzuschreiben. Schwiilstig in den Formen, 
überladen im Beiwerk, aber groß in den Verhältnissen 1md kräftig-malerisch in der Gesa1nt- 
anlage, zeigen auch sie einen Weg, den spätere Jahrhunderte selbständig wieder betreten haben. 
Palmyra liegt nordöstlich von Damaskus. Der große Sonnentempel, zu dem ein 
Hallengang von vier korinthischen Sänlenreihen hinanfiihrt, bildet den kiinstlerischen Mittel- 
punkt der einst blühenden Stadt. Die Säulen der mittleren Reihe sind auf ihrer Drittelhöhe 
mit vorspringenden Kragsteinen versehen, die 
jedenfalls bestimmt waren, Standbilder zu tragen   , 
(s. die Abbildung, S. 436, Fig.  auch dieses  W 
ein im Mittelalter aufgenom1nenes Motiv. Die   
Thorbogen mit dem flachen Fugenfkhnitt ihrer    
Wölbsteine, der Te1npeleingang, der sich pylonen- H-  -C  
artig zwischen die Säulen klemmt, und die Grab-  ,szI"   "Jjs1sI,sigiiI 
ti"1r1ne vor der Stadt zeigen manche Besonderheiten "   " 
der östlichen Kunst1velt. Die große SäulenhalTle Z-VEEsIWdU"Ss" im ÜFJs-S-US W! Gewölbe- 
aber gehört als solche zu den eindrnckvollsten  G""a  Nach DW" 
Überbleibseln des griechisch-römischen Altertums. 
Vaalbek liegt nördlich von Damaskus am Libanon. Fraubergers Prachtwerk vermittelt 
uns auch daheim den Genuß seiner Prachtbauten. Auch hier bildete ein mächtiger Sonnente1npel, 
von dem noch sechs Säulen stehen, den Mittelpunkt der baulichen Anlagen. Das Tonnengewölbe 
seiner Cella war nicht kassettiert, sondern durch Bogenrippen gegliedert, die von den Halbsäulen 
der Wände ausstiegen; sein Vorhof war mit Kreuzgewölben gedeckt. Der eigentliche Musterbau 
des antikeu Barockstiles aber ist der kleine Rundtempel zu Vaalbek (s. die Abbildung, S. 434). 
Die Außenwand der kreisrunden Cella ist durch Nischen gegliedert, deren oberes Halbrund 
von ebenso gebogenen Bekrönungsgesin1sen überragt wird. Im Fries hängen Kranzgewinde. 
Die glattstäuuuigen korinthischen Säulen der Ringhalle tragen ein Gebälk, das nicht in kon- 
vexer Rundung der Cella parallel läuft, sondern in den Säulenzwischenräumen konkav zur 
Cellamauer zurückspringt. An der Eingangsseite unterbricht eine geradlinige viers("iulige Vor- 
halle nicht eben glücklich dieses anmutig barocke Dekorationssyste1n (s. die Abbildung, S. 435). 
Siidlich von Damaskus haben sich zunächst in Geras a reiche Ruinen römischer Pracht- 
bauten erhalten. Lehrreich ist, daß Säulenschäfte hier thatsächlich wie auf Grabstelen der alten 
Vasenmalerei (vgl. S. 279) unten über der Basis von emporstrebenden Akanthusblättern u1n- 
schlossen werden (s. die obere Abbildung, S. 436, Fig. b). 
Auch an den Vau1verken des eigentlichen Haurän, zwischen Damaskus 1md Gerasa, die 
wir durch die Werke von J. G. Wetzstein und M. de Vogüe kennen, finden sich auffallende Er- 
fCI)einungen: in Kanawat Säulen mit aus den Schriften vorspringenden Konsolen nnd mit
        

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