Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst der vor- und außerchristlichen Völker
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834561
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3820447
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Viertes Buch. 
Die Kunst Alt-Italiens und des römischen Weltrei-c)s. 
heutigen Tag als das Muster einer Wandverzierung in jenem schon am Tabularium (vgl. S. 409) 
vorgebildeten Stil, der auf der Verbindung des Bogenbaues mit dem Architravbau beruht. Wo 
die Zuschauerräume der Theater sich nicht, wie in Griechenland, in eine natürliche Berghöhlung 
legten, erheischten sie mächtige Stiitzmauern, die sich aus praktischen wie ästhetischen Grün- 
den in Rundbogenarkaden auflösten, deren Stockwerke den Nängen des Inneren entsprachen. 
Das Auge der Griechen und der hellenistischen Römer war aber "viel zu sehr an Säulenhallen 
gewöhnt, um sich eine künstlerische Durchbildung des Rundbogenarkadenbaues ohne Halbsäulen 
und deren Gebälk vorstellen zu können. Zwischen jeder Vogenösfnung lehnt sich eine Halbsäule 
an die Wand; und das wagerechte Gebälk zieht sich in seiner alten Ausbildung, auf den Säulen- 
kapitellen und den Bogenscheiteln ruhend, un1s Halbrund entlang. Das untere Stockwerk zeigt die 
dorische, das mittlere die ionische, das obere die korinthische Ordnung. Doch waren die Säulen- 
fchäfte am Marcellustheater glatt; und die dorische Ordnung zeigte tuskische Abwandelungen. 
Auf dem gleichen kiinstlerischeu Gedanken wie 
   U die Flächengliederung dieser ArtberuhtdieSchmuck- 
- form der römischen Triumphbogen. Ein Stück 
THE    Mauer, als Prachtthor geöffnet, versinnbildlicht, 
    dem Triumphator entgegengestellt, das freudige 
    Willkommen der Vaterstadt. Die Thoröffnungen 
    sind durchweg in Ruudbogen geschlossen, die in der 
ff(     , gis-sszsfsss   H.     Mgiierdickekieiiie Toiiiisiigewd1debi1deii- Aiisimgs 
L!  IV M J? WZl"TJ  genügteinsolcherThorbogen, der anbeidenSeiten 
           von Halbsäulen oder Halbsäulenpaaren bekleidet 
 wird. Bald aber durchbrechen drei Bogenthore den 
Triu1nphbau, ein größeres in der Mitte, zwei klei- 
nere an den Seiten. Eine reiche, späte Weiterentwickelung endlich bezeichnen die Ehrenpforten, 
die auf quadratischem Grundriß zwei sich kreuzende Durchgänge zeigen, sich also nach allen vier 
Seiten mit einem Thorbogeu öffnen. Die umrahmten Flächen der TriuInphbogen werden 
mit plastischem Vildwerk gefüllt. Eine 1vagerecht abschneidende Obermauer (Attika) bietet PlaH 
für Jnschriften, bildet aber zugleich den Unterbau für das eherne Standbild oder den Triumph- 
wagen, der die Mitte des Bauwerkes krönte (vgl. die Abbildung, S. 429, und die beigeheftete 
Tafel). Nach Paul Graefs Zusammenstellung haben sich aus der römischen Kaiserzeit nicht 1ve- 
niger als 125 Kaiserbogen erhalten, von ihnen 10 in Rom, 20 im übrigen Italien, 14 in Frank- 
reich, 6 in Spanien, einer in Deutschland, 20 auf östliche1n, aber nicht weniger als 54 auf asri- 
kanif(hem Boden.  Von ihnen zeigen 85 nur einen Thordurchgang, 7 sind zweithorig, 22 drei- 
thorig, 2 vierthorig; 9 aber zeigen den sich kreuzenden Durchgang auf quadratischer Grundlage. 
Die Sitte, hei1nkehrenden Siegern derartige Ehrenpforten zu errichten, geht bis in die 
helleuistische Zeit zurück. Wir hören, daß am Forum Romanum ein Fabier schon 121 v. Ehr. 
einen solchen Bogen errichtet hat. So wenig wie dieser aber haben sich, vielleicht vom Drusus- 
bogen abgesehen, auch die T"riumphbogen des augusteischen Zeitalters in Rom erhalten. Man 
muß im Reich U1nschau halten, um ihnen zu begegnen. Von den einthorigen Triumphbogen 
zeigt der Augustusbogen zu Rimini über der begleitenden mageren Säulenarchitektur noch da-I 
Giebelmotiv, trägt der Bogen von Aosta einen dorischen Trigl1)phenfries über der korinthischen 
Säulenstellung, die auch feine Schmalseiten beherrschte, zeichnete der Bogen zu Susa in Ober- 
italien, im Jahre 8 n. Chr. errichtet, sich durch edel gebildete korinthische Ecksäulen u11d einen
        

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