Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst der vor- und außerchristlichen Völker
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834561
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3819796
368 Drittes Buch. Die griechische Kunst. 
Rolle als je. Neben dem Säulen- und Balkenban, der manchmal zu mehreren Stockwerken 
e1nporstrebte, trat nunmehr als zweite ebenbtirtige Bauart aber der Gewölbebau immer kräf- 
tiger hervor. Daß die Gewölbe- und Kuppelbauten von Sarvistan und Firuz-Abad in Persic-n 
die Vorbilder der gesamten enropäischen Gewölbe- nnd Kuppelbaukunst gewesen, wie Dieulafoy 
annahm, ist freilich selbst dann nicht zuzugeben, wenn man sie nicht erst der Sassaniden-. son- 
dern schon der Arsakidenzeit zuschreibt. Bereits in Babylon fehlte es nicht an Vorbildern der 
Gewölbekunst; und von Babylon nach Seleukeia, von dort nach Antiocheia und Alexandreia 
war der Weg gewiesen. Daß der Tempel des Serapis, des ägyptischen Griechengottes, in Alex- 
audrien in seinen unteren Teilen gewölbt war, berichten alte Schriftsteller. Fr. Adler hat den 
Gewölbebau schon 1871 nachdriicklich für die hellenistische Baukunst in Anspruch genommen; und 
die namhaftesten Archäologen und Baugelehrten sind ihm seitdem in dieser Auffassung gefolgt. 
Leider ist von diesen östlichen hellenistischen Gros;stiidten, in denen die Baukunst der Zeit, 
wenn auch wahrscheinlich großenteils in vergänglichem Vacksteimnaterial, ihre eigensten und 
großartigsten Eigenschaften entfaltet haben muß, so gut wie gar nichts erhalten. Erst Theodor 
Schreibers jüngste Ausgrabungen in Alexandrien versprechen ein greifbares Ergebnis. Alexan- 
drinische Säulenkapitelle von seltener Freiheit der Mischbildung und seltener Feinheit der Aus- 
führung haben sie bereits zu Tage gefördert. Zusam1nenhängenderes steht zu erwarten. Viel- 
leicht tragen auch R.Foerstcrs neue Berichte aus Antiocheia am Orontes dazu bei, Ausgrabungen 
in dieser zweiten Hauptstadt des Hellenentums anzuregen; und nach Antiocheia muß Seleukeia 
an die Reihe kommen. Bis dahin wird die Geschichte der Bankunst am Nil, Orontes und Ti- 
gris allerdings ein nur mit Vermutungen und Schlüssen ausgefiilltes Blatt bleiben. 
Schon Plinius läßt die griechische Künstlergeschichte in den ersten Jahrzehnten des 
4. Jahrhunderts V. Chr. versiegen und erst in der Mitte des 2. Jahrhunderts wieder Meister 
erzeugen, die in ihrer Art angesehen, wenn auch den älteren nicht ebenbürtig gewesen seien. 
Das Stückchen Wahrheit, das dieser Darstellung zu Grunde liegen mag, läßt sich schwer her- 
ausschälen. Jedenfalls sehen wir von nun an in der Alten Welt nur mehr versprengte Künstler- 
namen oder K1"instlergruppen auftauchen; und die meisten dieser Namen kennen wir sogar nur 
aus den Künstlerbezeichnungen an erhaltenen Kunstwerken. Die Kunstwerke, nicht die Künstler, 
rücken daher jetzt wieder in den Vordergrund der Entwickelungsgeschichte. 
Kaum verknüpft mit einheimischen Ktinstlernamen tritt uns zunächst die Kunst Alexan- 
driens, des Mittelpunktes des geistigen, wissenschaftlichen und schristsiellerischen Lebens die- 
fes Zeitraumes, entgegen. Erst seit H(-!lbigs, Michaelis", Maus 1md Schreibers Forschungen 
können wir uns ein einigermaßen klares Bild von der alexandrinischen Kunst im engeren Sinne 
des Wortes machen. 
Als wohl bekannter griechisch-ägyptischer Maler wird uns De1netrios genannt, der um 
180 -150 v. Chr. als Landschaftsmaler in Rom thätig war. Der Verfasser dieses Buches hat 
in seinem Jugendwerke, ,,Die Landschaft in der Kunst der alten Völker-", ausftihrlicher über ihn 
gesprochen. Demetrios nur für einen Maler landschaftlich gestalteter Landkarten zu erklären, 
ist, wie schon Helbig nachgewiesen hat, der gesamten Sachlage nach unthunlich. Schon hierdurch 
wird bestätigt, daß wir Alexandrien für den Ausgangspunkt der hellenistischeu Lands chafts- 
malerei halten dürfen. Wer nicht zugeben will, daß die griechische Figurenmalerei schon seit 
Zeuxis, wo es angebracht war, zusammengeschlossene Hintergrunde darstellte, wird doch nicht 
leugnen dürfen, daß sie bald nach der Zeit Alexanders des Großen diesen Schritt gethan hat.
        

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