Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst der vor- und außerchristlichen Völker
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834561
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3818471
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Drittes Buc). ,Die gricchische Kunst. 
,,quadratischen" Kanons der späteren, durch Polyklet vollendeten Kunst von Argos zu erken- 
nen. Als Hauptmeister von Argos gegen Ende des G. Jahrhunderts wird Ageladas (Hage- 
laidas) genannt. Keines seiner Götterbilder, keine seiner Athenegestalten, keiner seiner Sieger 
in den olympischen Spielen hat sich erhalten. Furtwängler hat aber, ausgehend von einer klei- 
nen in Argolis gefundenen Vollguszbronze des Berliner Mufeums (s. die Abbildung, S. 268), 
zu erweisen gesucht, daß wir uns durch erhaltene Werke eine Vorstellung von dem durch Agela- 
das ausgebildeten altargivischen Typus nackter Jiinglingsgeftalten machen können. Die kleine 
Bronze muß freilich jünger sein als Ageladas selbst, da sie den Körper freier durchbildet, als es 
der Strenge der Zeit dieses Meisters zuzntrauen ist. Aber die Haltung, die Stellung des Körpers, 
dieBehandluug des Kopfes und des Haares sind ti)pifch. Schon 
  die Bildung des anliegeuden, rings geordnet herabfallenden 
 "  Haares offenbart in der natürlichen Wiedergabe der Strähue 
  J    einen großen Fortschritt gegen die ältere Zeit. Der Kopf zeigt 
   schon berechnete Verhältnisse. Vom Kinn bis zum inneren 
  "  Augenwinkel ist ebenso weit wie vom unteren Nasenflügelraud 
   bis zum Haaransat;e. Der rechte Arm hängt leicht herab, die 
  vorgestreckte Linke hielt vielleicht einen Ball. Beide Fußsohlen 
  haften noch am Boden; keines der Beine ist weiter vorgestreckt 
  als das andere; aber Staudbein1md Spielbein sind bereits un- 
   terschieden. Auf dem linken Beine steht derJüngling, das rechte 
  J- ist entlastet. Dem entspricht eine leiseAbweichung von der stren- 
 gen Frontalität: die linke Schulter senkt sich ein wenig, und 
  der Kopf ist, noch kaum merklich, nach der liukenSeite gewandt. 
 Ob die Thatsache, daß diese Bronzestatuette in Argolis 
 gefunden, stark genug ist, das ganze auf ihr errichtete Lehr- 
 gebc"iude von der Entwickelung der Schule des Ageladas und 
 ihrem Einfluß auf die attische Kunst zu tragen, erscheint frei- 
  lich fraglich. Einen vorpolykletifchen Kanou argivischer Jüng- 
Dcr "KalWäger,,- Nach PWogm- lingsstandbilder aber werden wir in dieser Gestalt anerkennen 
phie. sagt. Text, S. 2c1. können; und Weiterbildungen dieses Kanons werden wir dann 
auch in dem Urbilde des ehernen ,,Apollon" aus Po1npeji im 
Neapeler Museum und in dem gleichen Marmor-Apollou des Museums zu Mantua erkennen, 
auf die wir zurückkommen (vgl. S. 271), ja diesen Werken von fern auch das bekannte marmorne 
Jünglingsstandbild der Villa Albani anreihen, das die Künstleriuschrift eines gewissen Ste- 
phanos, jedenfalls eines viel jüngeren, nachahmenden Meisters, trägt. 
In Sikyou war Kanachos der berühmte Meister dieser Zeit. Zu seinen meistgeseierten 
Werken gehörten die eh(-rne Apollonstatue im Branähidenheiligtum zu Milet und eine thronende 
Aphrodite von Gold und Elfenbein in Sikyou selbst. Man sieht, die Technikeu der kommenden 
Blütezeit sind alle schon ausgebildet; und man hört mit Interesse, daß nunmehr bereits Pelo- 
ponnesische Künstler nach dem ionischen Kleinasien berufen wurden. Milesische Münzen geben 
uns eine ungefähre Vorstellung von der Haltung des Gottes, der einen Bogen in der einen, 
einen .Hirs6h auf der vorgesireckten anderen Hand trug. Eine kleine Bronze des Britifh Museum 
zu London (s. die Abbildung, S. 264), die den Gott mit dem Hirsch auf der Hand darstellt, 
mag uns die Grundzüge des immer noch altertüinlichen Standbildes vergegeuwärtigen.
        

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