Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst der vor- und außerchristlichen Völker
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834561
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3816554
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Erftes Buch. 
Die Kunst der Ur-, Natur- und Halbkulturvölker. 
dem von Förstemann herausgegebenen Dresdener Buch, in schwarzen Federumrissen, die manch- 
mal auf farbige1n Grunde stehen, eine reinere Formensprache uiid eine klarere Anordnung als 
die aztekischen Schriftbilder. 
In Perii, wo es keine Schriftrollen gab, entschädigen uns dafür die Darstellnngen von 
Menschen und Tieren, die ihren wollenen und baumwollenen Zeugen ausgemalt oder eingewirkt 
werden. Besonders schöne Stoffe dieser Art, von Reiß und Stübel in einem Prachtwerk ver- 
öffentlicht, jeZt im Berliner Museum für Völkerkunde aufbewahrt, sind als Mumieiigewänder 
aus dem Totenfelde von Ancon dem Tages- 
PHJ"-i.l lichte zurückgegeben worden; nnd ebendaher 
- S V S DEP C] stammen auch die eigentümlichen bemalten 
J E 00 Es-"r U Grabtafeln, die fast bei jeder Mu1nie gefun- 
F-   O den wurden (s. die Abbildung, S. 93). Es sind 
F- L.   LLH.L U über ein Rohrgeftell gespannte Leinentafeln, 
 I auf deren Vorderseite in roten und dunkel- 
Peru-:inisches Vogelor:ament Nach Reiß ni1cd Stübel blauen oder schwarzen umrifsen eine  
Vgk, Text, SJ9z,  umrahmte, geometrisch stilisierte menschliche 
Gestalt gezeichnet ist. Ob Abbilder der Ver- 
storbenen, ob Götter gemeint sind, ist ungewiß. Jedenfalls aber wirken diese bemalten Linnen- 
tafeln wie Borstufen einer wirklichen Tafelmalerei. 
Wenden wir uns schließlich den technischen Künsten der altamerikanischen Völker zu, so 
können wir, zumal da auf manche Erscheinungen, die hierher gehören, schon hingewiesen worden 
ist, hier nur kurz hervorheben, daß sie auch auf diesem Gebiete fast überall deutliche Fortschritte 
über die Leistungen der Naturvölker hinaus machten. Neben der einfachen Weberei übten sie, 
wie schon angedeutet, auch die Ornamentwirkerei (die sogenannte Gobelintechnik); aber auch die 
Herstellung durchsichtiger lockerer Stoffe durch Gazebindung, die Nadelarbeit und das Aufna"hen 
fester Musterftücke auf losen Geweben war ihnen nicht unbekannt geblieben; und die Feder- 
  arbeiten, in denen die alten Amerika- 
  "lsz;l  W net Meister waren, -trugen viel zu dem 
           reizvollen Farbenschii-nmer bei, der die 
           Werke ihres Kunstfle1s3es umfloß. Jn 
           der Töpferei, deren plastischen und 
 malerischen Schmuck wir schon bespro- 
Vg,, TM, S.   chen haben, scheinen sie in einigen Fäl- 
len sich schon der Drehscheibe bedient 
zu haben, und neben den überall gleichen Grundformen der Gefäßbildnerei gelangen ihnen 
hier und da schon Gefäßsornien, deren auffallende Formenschönheit aus ihrer Zweckmäs3igkeits- 
bildung entsprang (s. die Abbildung, S. 92, Fig. b). 
Das besondere Erstaunen der spanischen Erobei-er erregten die Goldsch1niedearbeiten 
der alten Anierikaner. Auf diesem Gebiete waren sogar die Chibcha ihren nördlichen und süd- 
lichen Nachbarn ebenbürtig. Da die meisten Arbeiten aus Edelmetallen aber in den Schmelz- 
tiegel gewandert sind, ist iins das Beste nur aus alten Beschreibiingen bekannt. Die beweg- 
lichen Vögel, die tanzenden Affen, die Fische mit abwechselnd goldenen und silbernen Schuppen 
kennen wir nur vom Hörensagen. Doch bewahren die Museen Amerikas und Europas immer- 
hin manch bewundernswerte Arbeit altamerikanischer Goldschmiedekunst. Die Jnkrustierung mit
        

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