Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Künstler des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-828800
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3854467
Kaulbach und die Kritik. 
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sein Schwiegersohn Kreling bereits mehr den Neuerern an- 
gehörte. 
Trotz dieser gegnerischen Stellung und den häufige-n 
Angriffen gegen die Akaden1ie, deren Direktor er war, ließ 
sich Kaulbach keine Empfindlichkeit merken, wenn wir zusam- 
mentrafen, was in der Gesellschaft der Zwanglosen ziemlich 
häufig geschah. jenem literarisch künstlerischen Verein, dem 
damals eine Menge der Münchner Notabilitäten angehörten. 
Ja es entsprach ganz seinem koketten Naturell, daß er im 
Gegentheil eine Zeitlang eine gewisse Vorliebe für mich zeigte 
und mich endlich sogar aus"s dringendfte einlnd, doch seine 
Gesellschaftsabende, die alle Sonntage stattfanden, zu besuchen. 
Ehe ich mich dazu verstund, ließ ich ihm aber borlesen, was 
ich vor Jahren schon in den Südsriichten über ihn geurtheilt, 
als ich zum erstenmale einige der her-vorragendsten Träger 
der deutschen Kunst besprochen. Er wurde da scharf mitge- 
nommen und ich wollte also sicher sein, daß er meine Mei- 
nung über ihn kenne, ehe ich auf eine Verbindung eingieng. 
Der mit ihm und mir gleich besreu11dete Maler Dürck ent- 
ledigte sich der Aufgabe nicht ohne einige Besorgniß, daß der 
Versuch, Freundschaft zwischen uns zu stiften, dabei in die 
Brüche gehen möchte. War es doch bekannt, daß er merk- 
n)itrdigerweise sehr empfindlich gegen Kritik sei, während sie 
ihm, dessen Ruf doch festgestellt war, längst nichts mehr an- 
haben konnte. Er hielt aber tapfer aus, erklärte sogar, es 
falle ihm nicht ein, deßhalb eine Aeuderuug meiner Stellung. 
zu seinem künstlerischem Schaffen zu prätendiren, wenn ich 
auch mit ihm freundschaftlich Verkehre. - Das war nun 
freilich nicht.ganz aufri(htig, da er, der mir an Weltersah- 
rung so unendlich Ueberlegene, sehr wohl wußte, wie man 
6O!
        

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