Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahrbuch der bildenden Kunst
Person:
Martersteig, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-828796
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3776504
Baukunst 
Friedrich Ratzel: Rathaussaal in Duisburg 
Photographie von Steinkamp in Duisburg 
wie Pilze gleichsam von selbst entstehen. Auf sie trifft keiner von den Vorzügen zu, die den ein- 
fachen Werken älterer Kunst nachzurühmen sind. Hat man nach einem Gang durch eine alte Stadt, 
die tatsächlich nur wenig Typen, aber diese in mannigfaltigster Variation aufweist, eine Fülle von eigen- 
artigen architektonischen Einzelheiten und Gesamtbildern in sich aufgenommen, so haben wir bei 
den Strassen genannter Art das Gefühl, nichts gesehen zu haben; ein Haus scheint dem andern zu 
gleichen, keines vermag sich als bestimmter Eindruck der Erinnerung einzuprägen; man hat es kaum 
der Mühe wert gefunden, sich umzuschauen. Und wieviel Pulver wurde verschossen, um dieses 
negative Resultat zu erzielen: Säulen, Gesimse und Verdachungen, Gitter, Ornamente, Giebel, Erker 
und Balkons sind aufgeboten, und eine Masse von mechanischer Arbeit, die ohne Schaden hätte 
unterbleiben können, war zu leisten. Diese nichtssagenden oder überladenen Machwerke sind da, 
wo die alten Formen durch die Moderne abgelöst wurden, keineswegs besser geworden; der 
Schnörkel hat sich geändert, der Geist blieb. Einen Fortschritt bedeuten die neuen Bestrebungen 
also nicht. Erst wenn diese vermochten, die Alltagsproduktionen auf ein höheres Niveau zu heben, 
für sie einen einwandfreien Typus zu schaffen, hätten sie ihre Berechtigung nachgewiesen. 
Auf dem düsteren Hintergrund der "Vorstadtarchitektur" heben sich die allerorts entstehenden 
Geschäfts- und Wohnhausbauten von höherer künstlerischer Qualität vorteilhaft ab. Besonders 
der Villenbau hat hochinteressante Lösungen erfahren. Hier haben die letzten Jahre entschieden 
bessernd gewirkt. Man wünscht für das Äussere wohl eine interessante Gesamterscheinung, jedoch 
nicht mehr das Häufen von Einzelheiten auf den Fassaden und lernte wieder einsehen, dass das Innere 
des Hauses die Hauptsache ist; aber auch hier ist der Formenaufwand zurückgetreten; man zieht 
ein gut geschmiedetes Beschläg einem schwulstigen Türaufsatz vor und hat der Farbe wieder 
ihren gebührenden Platz eingeräumt. 
Wenn der Wohnhausbau kleineren Stils der Laune und Liebhaberei offenes Spiel lässt, 
_so wandelt die Baukunst bei öffentlichen Gebäuden strengere Bahnen. Die Tradition, an die 
die bürgerliche Kunst, mit Ausnahme der Münchner, bis jetzt sich nicht anzuschliessen vermochte,
        

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