Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahrbuch der bildenden Kunst
Person:
Martersteig, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-828796
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3776313
Die Kunstausstellungen 1902 
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das lebensgrosse Format seinen früheren 
Leistungen gegenüber nicht zum Vorteil. 
Vom jungen französischen Nachwuchs ist 
nicht viel zu erwähnen. Mir wenigstens 13kg,  
scheint Milcendeaus auf dem Divan liegende    
Mlle. Polaire, die durch die Grellheit der  f  
fingerdick nebeneinander aufgesetzten Farben      
auffiel, keinen Fortschritt des begabten Künst- J    
lers zu bedeuten. Auch Caro Delvaille hat    
die viel besprochenen Werke des Vorjahres    
nicht übertroffen. Die meisten jungen, die      
wirklich Eigenes zu sagen haben, stellen im       
Salon des lndependants oder in den     
kleinen Kunstsalons aus. So fand gleichzeitig    Ü? f.   
mit den grossen Salons bei Bernheim eine    f,   , f  
Ausstellung der Gruppe: Bonnard, Vuillard,       f  
Denis und Genossen statt, die manches Inter- v"    i.  i 
essante aber freilich ebenfalls nichts wesentlich    i, _   f} 
Neues brachte. Alle Leistungen der jüngeren     
Künstler wurden weit in den Schatten ge-  "l   
stellt durch die Nachlassausstellung des jung          
verstorbenen Toulouse- Lautrec. Diese     
zeigte, dass der Künstler nicht nur der geniale   e 
Karikaturist war, als den wir ihn alle kennen f 
(vergl. Nekrolog im jahrbuch 1902), sondern   V  
auch ein hochbedeutender Maler. 
In derSkulpturenabteilung des älteren a. 
Salons erregten einige Denkmäler Aufsehen: Bernhard Hoetger: Der Sturm (Gräs flammä) 
Gerömes etwas theatralischer, aber an Ort 
und Stelle gewiss sehr wirksamer Adler von Waterloo, Moreau-Vauthiers Entwurf eines Denkmals 
für die gefallenen Kommunarden, eine Mauer, an der an den Stellen, wo die Kugelrf eingedrungen 
sind, die Körper der Gefallenen geisterhaft sichtbar werden, Paul Dubois' tief empfundene Bronze- 
gruppe "Erinnerung" (die beiden Schwestern Elsass und Lothringen), deren Wachsmoclell bereits 1900 
ausgestellt war. Treffliche Reiterstatuen hatten Fremiet (Duguesclin) und der Amerikaner Mac 
Monnies (General Slocum) gesandt. Die Ehrenmedaille erhielt Hippolyte Lefebvre für seine 
sehr stimmungsvolle und sehr schön durchgeführte Gruppe blinder Mädchen, die dem Gesange des 
einen von ihnen lauschen. Im jüngeren Salon konzentrierte sich das Interesse um Rodins "Schatten" 
für seine Pforte zur Hölle und seines Schülers Bourdelle kühn entworfene aber unausgeglichene 
Gruppe „Der Krieg". Bartholome hatte das Fragment eines Totendenkmals und eine Büste 
gesandt. Ausgezeichnet war wieder die Kleinplastik vertreten. Neben Carabin, Dejean, Frau Besnard 
u. a. fiel hier ein Neuling auf, die Russin julie Svirsky, die in ihren Studien vom Ball der 
„Quat'z-Arts" und dem Jahrmarkt ihren Landsmann Troubetzkoy noch an impressionistischer 
Skizzenhaftigkeit übertrifft.   Endlich berichtet A. de Saint-Hubert über die künstlerischen 
Taten in 
Belgien und Holland 
Während die Frühjahrsausstellung der holländischen Künstler in Amsterdam nur ein 
tüchtiges Gesamtniveau darbot, aus dem wenige starke Persönlichkeiten hervorragten (unter denen 
der an Meunier sich anlehnende Bildhauer von Wijk zu nennen wäre), kann in Belgien das Jahr, 
was Kunstausstellungen angeht, sogar als ein glänzendes bezeichnet werden. Ausser der sehr ge-
        

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