Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahrbuch der bildenden Kunst
Person:
Martersteig, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-828796
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3776200
Die Kunstausstellungen 1902 
leisen Zug von Melancholie. Das Bild wies in technischer Hinsicht ein erfreuliches Erstarken auf. 
Ahnliche Fortschritte zeigte auch der junge Landschafter und Figiirenmaler Wilhelm List. Seine 
Dämmerungsstudien, bei welchen der starke Effekt der Abendröte kräftige koloristische Wirkungen 
zuliess, interessierten überdies durch die Frische und Treue der Naturbeobachtung, die in ihnen 
zum Ausdruck kam. Neben einer Reihe sehr begabter kiinstgewerblicher Reformer wie 
Hoffmann, Moser, Prutscher, Luksch u. s. w., denen sich die Damen Gisela v. Falke, Jutta Sika, 
Adele v. Stark u. a. erfolgreich anschlossen, ist noch ein junger Wiener Bildhauer, Alfonso Canciani 
anlässlich dieser Ausstellung zu nennen. Er hat mit einer Grabfigur von ausserordentlicher Feinheit 
und Tiefe des Empfiiidens, einem Mädchen, das gleich einer Nachtwandleriii traumverloren dahin 
schreitet, verdienten Beifall gefunden. 
Sehr bald nach Schluss der ersten, fand die zweite Hagenbund-Ausstelluiig statt und 
brachte neben dem Denkmal Adalbert Stifters von Rathauky, der den Dichter in biederer Behäbigkeit 
darstellt, anmutige Märchen-Illustrationen von Urban und Lefler. Ferner lernte man Frau Mediz- 
Pelikan aus Dresden in einer Reihe leicht getönter Kreidezeichniingen kennen, die eine mehr oder 
minder ideale Landschaft etwas kühl, aber nicht ohne Phantasie behandeln. Nebst den bereits an- 
lässliclfder ersten Ausstellung genannten Malern waren Thiele, Bamberger und Drasche mit Land- 
schaften vertreten. Durch Wahrhaftigkeit, sowie durch Schärfe und Bestimmtheit im Detail zeichneten 
sich die Porträts von Ferdinand Ludwig Graf aus, das starke Betonen der Lokalfarbe und die ver- 
blasene Kontur beeinträchtigten aber ihre Gesamthaltiing. Ausserordentlich reizvolle Radierungen 
waren von Cossmann und Hegenbarth ausgestellt; endlich dürfen die Arbeiten des jungen Bildhauers 
und Medailleurs Richard Tauten- 
i       ha n, eines Sohnes des bekannten 
Ö f e;   y 
    ff?" g Professors, nicht unerwähnt blei- 
2' Q           ben; es war nicht zum ersten 
       {7  Male, dass seine Leistungen wohl- 
    {er   verdiente Anerkennung fanden. 
 Ü" "iigga,  f!       
 '    ß f. i.  Ebenso muss eine Spezialitat, die 
    q:  _  sich Walter Hampel in seinen 
3'   e aß Miniaturen auf Schwanenhaut zu- 
       s!   recht gelegt hat, und die bei 
f       
      m-    allerlei Schmuckgegenstanden u. 
 t   f  f a"      dgl. Verwendung finden, als voll- 
           wertige Kunst bezeichnet werden. 
    j  Zu Ostern wurde, wie üblich, 
   u    
    w:  die jahresausstellun g iin 
  h    Künstlerhause eröffnet Unter 
ÄÄÜÄY   den plastischen Werken ragten 
       die Arbeiten von Franz Seifert, 
     Richard Kauffungen, Marschall, 
     Weigl und "Khuen, durchweg 
      ; dem Poitratfach angehorend, 
   hervor. Interessant und auf 
    grundlichen Studien beruhend 
   war Schwerzeks Rekonstruktions- 
 1;; ,  r-I-riäfi affis-"äifii?  114:, 3x  
Versuch der Figurengruppe im 
(Mfiääiläti; irii.rz.iit 3221i.) Qrgijfjj de; Patriar- vor 
zug ic am as iener Herren- 
Porträt in den Arbeiten von Horovitz, Laszlo und Pochwalski von neuem zur Geltung. ln der 
Art wie es allen gesuchten Effekten aus dem Wege geht, ohne einer echt malerischen Auffassung 
zu entbehren, wie es mit bescheidener Selbstverständlichkeit einen echt wienerischen Zug gewinnt,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.