Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahrbuch der bildenden Kunst
Person:
Martersteig, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-828796
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3777119
Künstler-Geburtstage 
Nicht nur an Zeugnissen des Schaffens reich war das 
Jahr, es war es auch an Tagen der Ehre und einer statt- 
lichen Reihe von Altmeistern der Kunst hat es Kränze der 
Freude und des Dankes gewunden. Auch das Jahrbuch will 
damit nicht zurückstehen, wenn seine Würdigungen der ge- 
feierten auch nur ein schwaches Echo meist weithin laut- 
gewordener Festfreude geben können. Den Jünglingen von 
siebzig Jahren, den älteren Meistern von achtzig voran 
schritt der Nestor der Wiener Künstlerschaft, der es in köst- 
licher Frische der Schaffenskraft sogar auf neunzig brachte: 
Rudolf v. Alt. Am 28. August 1902 hat er seinen neun- 
zigsten Geburtstag gefeiert. Von allen Seiten kamen dem 
Jubelgreise Glückwünsche zu, denn weit über die Grenzen 
Österreichs ist sein Name bekannt und seine Kunst geschätzt.  
Über seinen äusseren Lebenslauf geben die verschiedenen 
Nachschlagebücher die wünschenswerten Daten; über den 
Menschen und Künstler wurde sowohl anlässlich seines acht- 
zigsten, sowie neuerlich bei Gelegenheit seines neunzigsten 
Geburtstages in zahlreichen Artikeln, in Kunstschriften wie in 
Tagesblättern, abgehandelt. Diesen Zeilen kann daher weder 
die Aufgabe zukommen, Gesagtes zu wiederholen, noch bereits 
Bekanntem neues hinzuzufügen. Es kann sich vielmehr nur  
darum handeln, des verdienstvollen Künstlers auch an dieser 
Stelle zu gedenken und mit wenigen Worten auf die Ursachen 
des warmen Anteils hinzuweisen, den heute die gesamte 
deutsche Künstlerschait am Leben und der überreichen Arbeit 
dieses Künstlers nimmt. Alt hat seit seinen Studienjahren 
an der Wiener Akademie im Stillen geübt, was die Jungen  
heute laut fordern: er hat mit dem Künstler zugleich den 
Menschen in sich ausgebildet und sich selbst gegeben in  
seiner Kunst. Er tat dies in einer Unbekümmertheit um  
die Übrigen, die ihm übel bekommen wäre, wenn er nicht  
durch sein Genre eine isolierte Stellung eingenommen hätte. 
Dabei ist er völlig eins geworden mit seiner Arbeit. lm  
Grund war Alt ein Einsamer sein Leben lang. Einsam nicht 
in dem Sinne der Verlassenheit, aber im Sinne des lnsich- 
abgeschlossenseins. Deshalb fand er es ganz selbstverständ- 
lich und sah nichts Abtrünniges darin, dass er sich der 
Wiener Sezession anschloss, die ihn zu ihrem Ehren- 
präsidenten ernannte. Nichts ist charakteristischer für Alt, 
als dass er für die Tendenzen und Bestrebungen der Se- 
zession sofort das vollste Verständnis besass, dass Herz 
und Geist trotz seines hohen Alters frisch und beweglich 
genug waren, um mit den Jungen zu fühlen und zu denken. 
Es stellte sich heraus, dass er eigentlich sein Leben lang 
Sezessionist war, wie einst Waldmüller, mit dem er zahl- 
reiche geistige und künstlerische Berührungspunkte hat. 
Österreicher und speziell Wiener durch und durch, sind es 
die Heiterkeit und Wärme, die Liebenswürdigkeit und naive 
Hingabe, die ihn und seine Kunst vor allem auszeichnen. 
Kräftig und klar sind seine Bilder, besonders ausgezeichnet 
durch das starke Betonen der belebenden Wirkung, die Luft 
und Licht auf alles Leblose ausüben. Mit scharfem Auge 
mosaikartig gesehen, zerfallen sie trotzdem niemals in ver- 
wirrendes Detail, sondern bewahren eine Gesamthaltung, 
deren Reiz ein um so grösserer ist, je mehr wir eine Technik 
bewundern lernen, die allein genügt hätte, Alt bereits vor 
zwei Menschenaltern neben Turner als den bedeutendsten 
modernen Aquarellisten auf dem Gebiete der Landschafts- 
und Architekturmalerei zu bezeichnen. J. F. 
Unter den Achtzigjährigen voran feierte 
Hubert Salentin am 15. Januar in Düsseldorf den Tag 
seiner Geburt. Er ist ein Kind der Rheinprovinz (in Zülpich 
geboren) und ein Schüler der Düsseldorfer Akademie unter 
K. Sohn, W. v. Schadow und Tidemand. Vorher aber hatte 
der gelernte Grobschmied bei Ramboux in Köln den ersten 
künstlerischen Unterricht genossen. Er malt Genre und Land- 
schaft mit der meist etwas rührenden oder leise komischen 
Note des Novellistischen, die der Düsseldorfer Schule von 
der Mitte des Jahrhunderts an eigen wurde. In der Düssel- 
dorfer Galerie ist eine Dorfkirche von ihm und das Bild 
Der Storch, ein Betender blinder Knabe im Museum zu Be- 
sancon  das Kölner Museum enthält sein Bild Die Heilquelle 
und seine früher in der Berliner Nationalgalerie befindlichen 
Wallfahrer schmücken jetzt das Museum in Krefeld. Auch 
in Münster und in Prag finden sich Werke in den öffent- 
lichen Sammlungen. Hubert Salentin erhielt 1873 in Wien 
die grosse Goldene Medaille. 
Friedrich Kaulbach wurde am 8. Juli 1822 zu Arolsen 
geboren, zeigte schon früh Talent für die Malerei und wurde 
deshalb 1839 in die Schule seines Vetters, des Professors 
Wilhelm von Kaulbach in München getan. Von diesem erhielt 
er seine Ausbildung, bis die erwachende künstlerische Selb- 
ständigkeit ihn fort und, nach Studienreisen in Italien, be- 
sonders nach Venedig trieb. Er wurde bald durch sein erstes 
Bild „Adam und Eva finden den erschlagenen Abel" bekannt 
und ebenso durch eine Anzahl von Bildnissen, die ihm Be- 
rufungen an mehrere Fürstenhöfe verschafften. Obgleich König 
Max von Bayern ihn nach München zu ziehen suchte, wo 
der grosse Zug des künstlerischen Lebens ihm zu gute ge- 
kommen wäre, liess Kaulbach sich in Hannover in der Stellung 
eines Hofmalers fesseln. Als solcher wurde er vor allem mit 
Bildnissen der königlichen Familie beauftragt, die seinen Ruhm 
verbreiteten und ihm auch nach der politischen Umwälzung 
des Jahres 1866 Erfolge zuführten. Historienbilder, die er 
daneben ausführte, zeigen ihn als einen tüchtigen, zum vene- 
zianischen Kolorit neigenden Künstler. ln seinem Sohne 
Friedrich August von Kaulbach mag der hochbetagte Greis 
manche Hoffnung der eigenen Jugend verwirklicht sehen. 
W. Oe. 
Louis Katzenstein konnte am 27. August in Kassel, 
seiner Geburtsstadt, seinen rachtzigsten Geburtstag feiern. 
 Hier hat er, ursprünglich zum Kaufmannsstand bestimmt, 
 auch die Akademie unter Friedrich Müller besucht. Die ent- 
 scheidenden Eindrücke empfing er von den Belgiern Gallait 
 und Biefve und wandte sich zu weiterer Ausbildung nach Paris 
 zu Leon Cogniet. Ein Aufenthalt in Rom vollendete seinen 
 Studiengang; dann weilte er, am portugiesischen Hofe künst- 
 lerisch tätig und mehrfach ausgezeichnet, häufiger in Lissabon. 
 Katzensteins Neigung als Maler und als Literat  denn auch 
 als solcher war er mehrfach tätig  geht auf die kultur- 
 geschichtliche und literarische Anekdote, wenn er auch zahl- 
 reiche Bilder rein landschaftlichen oder genrehatten Charakters 
gemalt hat. Er hielt mit Vorliebe Momente geschichtlichen 
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