Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die äußere Erscheinung der mehrräumigen Bauten
Person:
Ostendorf, Friedrich Sackur, Walter
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-828778
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4358050
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ist, einem Hause von der pseudomittelalterlich-englischen Art. Und 
weil das nicht mehr möglich ist, kann dieses Gebilde auch kein 
Kunstwerk mehr sein. 
Wenn man nun aber weiter an das Verhältnis des Hauses zur 
Straße und zum Garten denkt, so steht die Sache für die mittelalter- 
liche Auffassung der Architektin schon ungünstiger. Es ist im Bande I 
ausführlich besprochen worden, daß der mittelalterlichen Baukunst 
die räumliche Auffassung von Straße und Garten fremd war. Einen 
Garten von der Art, wie wir ihn haben möchten und das 18. Jahr- 
hundert ihn hatte, hatte die mittelalterliche Kunst nicht; ein Ver- 
hältnis des Hauses zum Garten, wie wir es lieben, kannte sie nicht. 
Der Garten. WO er vorhanden war, war ohne räumliche Vorstellungen 
in der Grundfläche angelegt und lag, als eine durchaus selbständige 
Bildung neben dem Hause, etwa wie heute noch der Garten neben 
dem Bauernhause. Und so paßt das mittelalterliche Haus weder 
recht in die räumlich aufgefaßten modernen Straßen hinein, noch 
kann es ein inniges Verhältnis zum Garten gewinnen. Und darin hat 
das pseudomittelalterliche nichts vor. ihm voraus. P 
Dagegen ist das deutsche Haus, nach der Auffassung der Re- 
naissance, an der räumlich aufgefaßten Straße und mit dem Garten 
zugleich aufgewachsen und groß geworden, und eines hat das andere 
beeinflußt und befruchtet. Daher paßt dieses Haus an die Straße, 
wie wir sie wollen, und in den Garten, wie wir ihn, nach einem 
ungefähr ein Jahrhundert langen Vergessen, heute wieder kennen, 
hinein, und der Garten paßt zu ihm. 
Wenn nach der Tradition der letzten Jahrhunderte die äußere 
Erscheinung eines Gebäudes auf den von der Situation ausgehenden, 
unter dem Einfluß des Banprogramms entstehenden Raumvorstellungen 
beruht, so sind diese für das freistehende Wohnhaus die Vorstellungen 
der Straße und des Gartens. Von der Straße, wenn dasHaus zu ihr 
überhaupt in irgendwelche Beziehung tritt und nicht abseits von ihr 
und etwa in der Tiefe des Gartens liegt, und von dem Garten gehen 
die Wirkungen aus, denen die äußere Erscheinung ihre besondere 
Form verdankt. Je näher an dem Kern der Stadt, nmsomehr wird 
im allgemeinen der Straßenraum die Bildung des Hauses bestimmen 
(Abb. 38), wie er denn für das eingebaute Haus fast alles bedeutet, 
je weiter von ihm entfernt, um so stärker werden die Einwirkungen 
der Gartenräume gegenüber dem Straßenraum werden (Abb. 39). Ist 
ein Garten vorhanden, so bilden nach diesen Beziehungen Haus und 
Garten eine Einheit, und der Raum oder die Räume des Gartens 
treten zu denen des Hauses in das Verhältnis einer Raumfolge, wie 
dieses Verhältnis auch für die inneren Räume des größeren Hauses 
vorhanden ist.  
Diese Auffassung vom Entwurf des Wohnhauses hat von den 
Zeiten der Renaissance an bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts 
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