Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A-H
Person:
Müller, Hermann Alexander Mothes, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-828749
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4381267
Eqthik 476 Gdfhikt 
über Gestaltung der Gothik in Frankreich, Eng- pseiler haben zum Theil noch den romanischen 
land re. in besonderen Artikeln gehandelt wird, so Grundriß, aus einzelnen Vierecken zusam1nenge- 
begnügen wir uns hier, C arakter u. Entwicklungs- seht, Fig. 594, meist - A Z9-     
gang der Gothik Deutsäi)lands anzugeben. Wir aber runden Kernmit  
trennen dabei, um der Übersichtlichkeit willen, nach vier dreiviertelrunden   
bestimmten Perioden, obgleich in Wirklichkeit die Diensten, deren Ca-    
Entwicklung eine so stetige ist, daß die Grenzen pitälsimse, oft sammt l   1- 
der Perioden nicht zu erkennen sind. Bes. den  den Blättern, sich  
sog. Ubecgangsftil, frz. St)-le de transitjon, 0giv0-  um den Kern herum - , , -  
romir11, engl. transiti0n-st,yI(;-, mixec1 r0manesq11e ziehen (F-ig. 595). Die   
sty1e, könnte man eben so gut dem romanischen Gurte sind noch theil-   
als dem gothischen Stil zurechnen. Nach der Weise Viekecig, theil-   
Mitte des 12. Jahr-h. waren es bes. drei Länder- weise mit Birnstäben      
strecken, wo bei reger Bauthätigkeit sich Fort- an den Ecken besegzt, Fig.595,    
schritte in Form und Konstruktion zeigten: der wie in Fig. 594, wo Frühgothische Pfeiie::biIduug. 
Norden Frankreichs, das Rheinthal und die die nicht schraffirten Eontouren die Rippen dar- 
sächsischen Lande an Elbe, Saale, Unstrut 2c. stellen, oder als Rundstäbe prosilirt, die Strebe- 
Hier, vom Harz durch Thüringen bis in die Nähe pfeiler schwer, massig, meist nur mit Pultdach 
des Fichtelgebirges und von da aus den Main oder Satteldach bekrönt, hier u. da jedod) schon 
 stromabn1ärts kann man eine Reihe von Bauten mit Fialen besetzt, s. Fig. 484 (wo es nicht 1200, 
verfolgen, an denen, zuerst lediglich bei weitge- sondern 1220 heißen muß) u. Fig. 485. An den 
fpannten Räumen, also offenbar aus statischen Ecken stehen noch keine diagonalen, sondern je 
Rücksichten, die Wölblinie den reinen Halbkreis zwei rechtwinklig gerichtete Strebepseiler. Die 
verläßt und in eine anfänglich kaum merkbare, Fenster sind noch romaniscl1 disponirt, breitere 
bald aber deutlicher sichtbare Spitze ausläuft, um  durch eine Säule getheilt und im Bogenfeld ent- 
den Seitenschub zu vermindern. Zugleich werden  weder voll oder nur mit einer Durchbrechung in 
die Mauern etwas schwächer, die Lisenen werden  Form eines Kreises, Dreiblattes oder Viert-lattes 
durch größere Aus-ladung zu noch unausgebildeten  versehen. Portale ebenfalls romanisrh angelegt 
Strebepfeilern, welche also die Mauern an den  und schwer, Kreuz- u. Kriechblumen noch knofpen- 
vom Druck der  nun allgemein an Stelle der  sör1nig, unentwickelt. Beispiele: Chor des Doms 
Tonnengetvölbe getretenen  Kreuzgewölbe ge-  zu Magdeburg1208, Kirchezu Limburg a. d. Lahn 
trossenen Punkten verstärken (augivare). Ähnlichc  1213, die Kapelle zu Heilsbronn 1215 u. Chor des 
Verstärkung erhalten die Kreuzgewölbe entlang  Münsters zu Straßburg 1223, sowie Untcrtheil des 
ihrenGraten u.Scheidungendurch vorstehende Gurte  Westchors zu Nau1nburg 1225, noch romanisirend; 
u. Kreuzgurte (-irr-us augiva1is). Diesen zuerst nur  Liebfrauenkirche zu Trier u. Klofterkirche Marien- 
sporadisch auftretenden Anderungen gegenüber zeigt  statt im Nassauischen 1227, Westflügel der Tuch- 
sich im Norden Frankreichs (s. d. Art. franzöfisehe  halle zu Ypern 1230, Elisabethkirche zu Marburg 
Gothik) der Fortschritt unter Beibehaltung des ro-  1235 (s.Fig.596 u.597),Münster zuEolmar u.West- 
manischen Konstruktionsfhstems theils auf dem Ge-  theile des"Do111s zu Halberstadt1237, Obertheil des 
biet der Disposition, theils in Einzelformen u.  Weftchors zu Naumburg um 1240, zum größten 
ornan1entalen Theilen. An den rheinischen Bau-  Theil schon völlig durchgeführt.  2. F-eingothi- 
ten deuten die Veränderungen neben einzelnen  fcher Stil, circa124() bis 133(); in den Grundzügen 
selbstständig erscheinenden Neuerungen bald auf  des Systems vollendet, in der Einzeldurchbildung 
französischen bald "auf östlichen Einfluß, wobei  völlig von den im romanischen Stil traditionell 
ersterer überwiegt. Beide Richtungen mußten sich - gewesenen Formen, fast völlig von romanischen 
bei dem häufigen Personenwechsel zwischen den Tendenzen in Bildung neuer Formen entbunden, 
Banhiitten endlich begegnen u. gegenseitig durch-  dabei aber durch strenges Meinen alles Willkür- 
dringen.  I. Frühgothischer Stil, etwa 1210  lichen, Unlogischen noch sehr keusch, beinahe herb 
bis 1240; in der Hauptsache schon, bes. in kon-  erscheinend. Die Pfeiler haben mehrYienste, doch 
struktiver Beziehung, jene Neuerungen zu ziem-  noch runden Kern, Capitäle nur an Diensten, 
lich konsequente1-n System zufammenfassend, hier Gewölbrippen aus Rundstab und Hohlkehle- ge- 
und da aber doch noch schwankend u. besonders .gliedert, ,Str"ebepfeiler ausgebildet, Stre-be,bggg; 
in der Raumdisposition sowie im formellen Aus- mäßig und einfach durchbrochen, in Fenstern be- 
druck der tektonischen Leistung nach stark roma- ginnt Maaßwerk auszutreten, sowie junge u. alte 
nisirend, erscheinen die Gebäude dieser Periode Pfosten. Ja die G,ewkj,11dgliekze,rungder Fenster u. 
noch gebunden, streng u. einfach. Die Arkaden- Portale tritt die Hohlkehle ein, auch werden Fenster
        

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