Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Archiv für Buchgewerbe
Person:
Waldow, Alexander Deutscher Buchgewerbeverein
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-987295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4349397
 ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE  
Die Setzmaschinen im Jahre 1913 
Von orro HÖHNE, Neukölln  
 TWAS reichhaltiger als im jahre 1912 sind Buchstaben gesprochen. Um dieses Satzquantum zu 
ä Ein diesem Jahre die Neuerungen und Ver- erreichen,war es abernotwendig,einzelneMaschinen- 
ä äbesserungen auf dem Gebiete des Setz- teile an der Linotype umzubauen. Die Arbeit an dem 
 maschinenwesens.NebenVervollkommnun- Tastapparat der Schnellsetzmaschine soll der an der 
gen bereits bestehender Maschinen ist es vor allem Schreibmaschine fast gleich sein. Die Tastatur ent- 
das Auftreten eines neuen Maschinentyps, das die hält außer den Tasten für die Buchstaben noch solche 
Aufmerksamkeit der Fachwelt besonders erregt, da für Ligaturen usw., ferner eine Anzahl Hilfstasten, 
mit dieser Maschine neue Wege in der bisherigen die für Einzüge, Ausgänge, Wortzwischenräume und 
Satzherstellung beschritten werden. Es handelt sich dergleichenbestimmtsind.Außerdem sindzweiTasten 
um die Schnellsetzmaschine, die auch in früheren vorhanden,die zumKorrigierenvonWorten undZeilen 
Jahrgängen des Archiv für Buchgewerbe bereits er- vor dem Gießen dienen, sogenannte Auslöschtasten. 
wähnt wurde und die nun aus dem Stadium der Ver- Die Zeilen selbst werden, wie an der Zeilengieß- 
suche ebenfalls mit in die Praxis getreten ist. Die maschine,fastvollgesetzt,durchbesondereTastenwird 
Maschine wird von der Schnellsetzmaschinen-Gesell- der Ausschluß der Zeilen festgelegt. Vom Standpunkt 
schaft m. b. H. in Charlottenburg gebaut, die Erlinder des Buchdruckers aus hat diese neue Maschine in- 
sind die Herren Ingenieur Heinrich Drewel und Otto sofern besondere Bedeutung, als sie die Satzarbeit un- 
Wolters. Herr Wolters hat sich früher bereits mit abhängig von der Zeilengießmaschine und damit vom 
dem Problem der maschinellen Satzherstellung be- Maschinensetzer machensoll. EinesolcheUmwälzung 
schäftigt undimjahre1894 eineMatrizensetzmaschine dürfte in dem Bereich der Möglichkeiten liegen, 
konstruiert, die Matrizenstreifen herstellte, welche wenn die Schnellsetzmaschine das erfüllt, was man 
dann zur Anfertigung von Stereotypiezeilen Verwen- sich von ihr verspricht und was bisher in die Öffent- 
dung finden sollten, unsers Wissens hat aber diese lichkeit gedrungen ist. Eins ist allerdings zu beachten: 
Erfindung praktische Verwertung nie gefunden. Ob- es sind zur Herstellung des fertigen Satzes drei Appa- 
gleich die neue Schnellsetzmaschine in einer Groß- rate notwendig,eineSchwierigkeit, die vielleicht einer 
berliner Druckerei tätig ist, ist sie doch bisher noch größeren Verbreitung dieser Maschine etwas hinder- 
nicht weiter an die Öffentlichkeit getreten, so daß lieh sein dürfte. Weiterhin kommt noch hinzu, daß die 
nähere technische Einzelheiten, sowie persönliche für diesen Zweck umgebaute Linotype-Setzmaschine 
Eindrücke über sie leider noch nicht gegeben werden die Stelle der Gießmaschine einnimmt, also ihrer 
können. Zu der Schnellsetzmaschine gehören drei eigentlichen Bestimmung als Setzmaschine für den 
Maschinen: betreffenden Betrieb entzogen wird, sofern es nicht 
1. Der Tastapparat (die Setzmaschine), der elek- möglich ist, trotz der veränderten Klaviatur und son- 
trisch betrieben und mit der Tastatur einer Smith stiger Einrichtungen die Linotype ohne weiteres auch 
Premier-Schreibmaschine versehen ist. Dieser Tast- für den Handgebrauch zu verwenden. Um eineLeistung 
apparat locht einen 8 Zentimeter breiten Papier- von 16000 Buchstaben pro Stunde auf der neuen 
streifen. Schnellsetzmaschine zu erzielen, würden etwa drei 
2. Die Gießmaschine. Die Stelle derselben über- Taster gehören, damit die Gießmaschine genügend 
nimmt hier die Zeilengießmaschine Linotype. Der mit Arbeit versehen ist. Von dieser großen Buch- 
gelochte Streifen wird unter die für diesen Zweck stabenzahl wird aber wohl noch einiges gestrichen 
umgebaute Tastatur der Mergenthaler Maschine ge- werden müssen. Selbst wenn durch die Umbauten der 
führt und die Matrizen werden ausgelöst. Das Setzen Gießvorrichtung diese Leistung erreicht würde, so 
wird also automatisch erledigt, dann werden die Zeilen müssen doch die Schwierigkeiten beim Guß besonders 
ausgeschlossen und zum Guß gebracht. beiKegeln über Korpus bei einem so schncllenTempo 
3. DerUmspulapparat. Da an derGießmaschine nicht berücksichtigt werden, wenn gute druckfähige Zeilen 
wie an der Monotype der gelochte Papierstreifen von erzielt werden sollen. Weiterhin ist nicht außer acht 
hinten nach vorn abgegossen werden kann, war es zu lassen, daß der Ablegemechanismus der Linotype 
notwendig, die Rolle nach dem vollständigen Abtasten einer solch hohen Leistung gewisse Grenzen zieht, 
des Manuskriptes umzuspulen, so daß der Guß mit wenn nicht Beschädigungen an ihm wie an den Ma- 
dem Anfang des Satzes beginnen konnte. Hierzu ist trizen zutage treten sollen. In den Fachkreisen wird 
der Umspulapparat notwendig. man mit Spannung das Funktionieren der zum Aus- 
Dadurch, daß das Auslösen der Matrizen selbsttätig lösen der Matern benötigten elektrischen Kontakte 
erfolgt, wird der Setzer an der Linotype überflüssig, erwarten; beim Elektro -Typograph, der sich ihrer ja 
die Leistung der Maschine soll bedeutend größer auch bediente, waren sie eines der Hauptübel mit 
sein, es wird von einer Stundenleistung von 16000 und aus dem gleichen Grunde hat wohl auch die 
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