Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Archiv für Buchgewerbe
Person:
Waldow, Alexander Deutscher Buchgewerbeverein
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-987284
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4000253
 ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE  
(siehe die Abbildung im Archiv für Buchgewerbe 
1912, Seite 314). Das Papier wird gleichzeitig (nicht 
hintereinander) auf beiden Seiten bedruckt, was eben 
nur möglich ist, weil beide den Abdruck erzeugenden 
Übertragungszylinder eine völlig glatte und stark 
elastische Oberflächenschicht (Kautschukmäntel) be- 
sitzen. Die vorzüglichen Resultate, die sich aufdiesem 
Wege erhalten lassen, machen es sehr wahrschein- 
lich, daß dieser Weg vielfach beschritten werden wird. 
Was aber die Herstellung von Tagesblättern aus- 
schließlich mittels des Offset-Flachdrucks (das heißt 
Bilder und Text von ein und derselben Platte ge- 
druckt) anbelangt, so trifft auch heute noch vollinhalt- 
lich zu, was der Verfasser im Vorjahre über die 
Schwierigkeiten schrieb, die sich dem Umdrucken des 
Textes einer Tageszeitung entgegenstellen würden. 
Das sogenannte Fabersche Eindruckverfahren (es 
besteht in der Benutzung eines besonderen Formen- 
zylinders, den man mit den gebogenen Original- 
ätzungen beschickt und diese von einem eigenen 
Farbwerk mit besserer Druckfarbe einfärben läßt) 
wird mehrenorts benützt. Allerdings sind die Resul- 
tate noch weit besser, wenn für den Druck der Illu- 
strationen überhaupt ein ganzes besonderes Druck- 
werk verwendet wird, weil doch dann auch für den 
Druck der Bilderplatten ein besonderer zweckmäßiger 
Aufzug gemacht werden kann. Die auf einer Art Zwei- 
farben-Rotationsmaschine hergestellten illustrierten 
Zeitschriften (für Schön- und Widerdruck vier Druck- 
werke, von denen zwei für den Text-, zwei für den 
Illustrationsdruck dienen) sind denn auch sehr be- 
friedigende Produkte. 
Das in der eben wiederholt angezogenen Abhand- 
lung (Archiv für Buchgewerbe 1912, Seite 311) er- 
wähnte, aber nicht näher beschriebene Verfahren, 
welches in der Druckerei des Stuttgarter Tagblattes 
angewendet wird (bei diesem sind "keinerlei beson- 
dere Maschinen oder Apparate erforderlich und das 
mit dem geeigneten Raster versehene Bild wird auf 
den gewöhnlichen Rotationsmaschinen und durch 
Verwendung der Kalanderstereotypie in der gleichen 
Einfachheit wiedergegeben, wie die Schrift selber"), 
ist dem Verfasser dieses Berichtes in seinen Einzel- 
heiten nicht bekannt. Es sei aber hier einmal auf 
die Pariser Tageszeitung "Excelsior" aufmerksam 
gemacht. Dieses in großer Auflage erscheinende 
Blatt enthält alltäglich eine stattliche Anzahl auto- 
typischer Illustrationen großen, aber auch selbst sehr 
kleinen Formats, die fast durchaus "trotzdem es ver- 
hältnismäßig engrasterige Bilder und sie samt Text 
von Stereotypien gedruckt sind  sehr gut, ja mit- 
unter vortrefflich aussehen. Erzielt wird diese her- 
vorragende typographische Leistung dadurch, daß die 
Stereotypierundplatten in der Druckerei des Excel- 
sior (soweit sie autotypische Bilder enthalten) als 
Reliefklischees hergestellt werden, indem mittels 
eines eigenen Verfahrens die Zurichtung in die Platte 
geprägt wird. Ferner benützt man glatt satiniertes 
Papier. Selbstverständlich wird aber auch der Ätzung 
der Originalklischees sowie dem Drucke (Aufzug, 
Druckstärke usw.) große Aufmerksamkeit und eine 
bis auf Kleinigkeiten sich erstreckende Genauigkeit 
zugewendet. 
Der vorliegende Bericht soll nicht geschlossen 
werden, ohne noch des Vorschlages zu gedenken, den 
der Gelehrte Wilhelm Ostwald auf Schaffung von 
„Weltformaten" gemacht hat. Der Vorschlag wurde 
vielfach diskutiert. Die Idee selbst fand durchaus Zu- 
stimmung, denn das Zweckmäßige solcher Weltfor- 
mate (die zweifellos auch ästhetische Forderungen zu 
erfüllen vermöchten; man denke nur an den eigenen 
Bücherkasten) wird in der ganzen Bedeutung gewür- 
digt. Die Idee, eine Einigung auf Weltformate herbei- 
zuführen, ist wirklich wert, daß sich Verleger und 
Buchdrucker, die so viel prächtigen Eifer bei der 
Durchsetzung unsrer heutigen einheitlichen deut- 
schen Rechtschreibung bewiesen haben, ihrer an- 
nehmen. Wenn sie auch etwas ist, dessen Verwirk- 
lichung(wenn sie überhaupt denkbar) in ferne Zukunft 
gerückt erscheint. 
 
Die Setzmaschinen im Jahre 1912 
Von orro HÖHNE, Neukölln 
 IT dem Ablauf des Jahres 1912 können schlossen ist, betrug die Zahl der seit Jahresbeginn 
ä idie Setzmaschinenfabriken auf ein ver- in Betrieb gesetzten Maschinen 171, die in 72 Buch- 
ä ä hältnismäßig günstiges Geschäftsjahr zu- druckereien Aufstellung fanden. Den Hauptanteil an 
 rückblicken. Die bei dem Tarifabschluß dieserZahl hat dieMergenthalerSetzmaschinenfabrik, 
zustandegekommenenSetzmaschinen-Bestimmungen die 124 Linotypes lieferte, es folgte dann die Typo- 
äußerten sich in ihrer Wirkung auch in dem steigen- graph-Fabrik mit 19, die Monotype Setzmaschinen- 
den Absatz in Setzmaschinen, der einen Umfang an- Vertriebsgesellschaft mit 16 Setz- und 9 Gießmaschi- 
nahm, wie in keinem Jahre vorher. Besonders im nen, auch 3 Monoline-Maschinen wurden noch 
ersten Halbjahr war die Nachfrage sehr rege, so daß gekauft. Seit Mitte des Jahres ist ein Abflauen der 
die Fabriken lange Lieferfristen setzen mußten. Nach Bestellungen eingetreten. Daß unter den vorstehend 
einer Statistik, die im Januar dieses Jahres abge- geschilderten Verhältnissen die Fabriken wenig Zeit 
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