Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Archiv für Buchgewerbe
Person:
Waldow, Alexander Deutscher Buchgewerbeverein
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-987284
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4000133
 ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE  
Es liegt etwas urwüchsig Kräftiges in der Schrift und Leipzig, zu der auch eine Kursiv geschnitten ist. Die 
auch die Probe wahrt in ihren Anwendungsbeispielen Zeichnung betont im allgemeinen den Federzug, ohne 
diesen Charakter. Die Unziale ist in einem normalen indes in den Charakter rein geschriebener Schriften 
und einem halbfetten Schnitt in je l8 Graden, von zu verfallen. Die Schriften, besonders die größeren 
Nonpareille bis 8Cicero,durchgeführt. Dazu kommen Antiquagrade wirken malerisch und werden deshalb 
noch Initialen, Einfassungen und Zierstücke: also mehr für Drucksachen verwendet werden, die durch 
auch nach seinem Umfang ist dies Unternehmen eine ihre dekorative Ausstattung wirken sollen. 
achtunggebietende Leistung. Noch drei weitere "Künstlerschriften" mit- mehr 
In der„Unziale"istbewußtaufden frühromanischen oder weniger  reinen Antiquaformen sind zu er- 
Schriftcharakter zurückgegriffen. Die Gießerei sagt wähnenzdie Kiinstler-Antiquanweitblicläanswiihelm 
darüber im VOFWOYI de? 131'056! "Mit de? römischen Gronaus Schriftgießerei in Berlin-Schöneberg, die 
Unzialschrift hat sie nur den Namen gemein, aber der Gruner-Antiqua der Schriftgießerei F. A. Brockhaus 
Schriftkundige wird in ihren Formen Anklänge an die in Leipzig und die Helga-Antiqua der Schriftgießerei 
I-Ialbunzialschriften der nachklassischen Zeit ent- D_Stempel in Frankfurt a.M. Der Urheber der ersten 
decken, die hier in freier Weise zeitgemäß weiter- ist nicht genannt, die zweite hat Erich Gruner, die 
gebiidet Wiiitieii- Die sunziaid Steht daher gleich" dritte Professor F.W.Kleukens gezeichnet; in allen 
sam jenseits von Fraktur und Antiqua." Demselben dreien ist die Absicht, eine „elegante" Antiqua zu 
Formenkreise gehören noch zwei weitere neue und schaffen, erreicht; eigentlich Neues bieten sie nicht, 
gleichfalls ganz vorzügliche Schriften an: die Delitsch- Die schönen Versalien der Gronauschen „Weitblick" 
Antiqua von julius Klinkhardt in Leipzig und die werden auch als Klassische Versalien für sich abge- 
Germanische Antiqua von Genzsch 8tI-Ieyse in Ham- geben und bilden so eine schöne Akzidenzschrift. 
burg und München. Trotzdem sind sie sowohl von Die bekannteTiemann-MediävalderSchriftgießerei 
der Unziale, wie unter sich grundverschieden. Die Gebr.KlingSp0I' in Offenbach a.M. ist durch eine halb- 
Delitsch-Antiqua ist eine geschriebene Schrift und fette Schrift ergänzt worden, die jene Schrift auch 
dieser Grundzug ist auch in dem hinzugegebenen für gemischten Satz geeignet macht, wie er in Kata- 
Schmuckmaterial sowie in der Art der Satzbeispiele logen und Anzeigen unvermeidlich ist. In den Ver- 
gewahrt. Die Germanische Antiqua dagegen betont salien der größeren Grade, die bis 8 Cicero gehen, 
ebenso entschieden den Charakter der Druckschrift. erhebt sich die Schrift zu monumentaler Wirkung. 
Während in der Delitsch der Schreibduktus der Ge- Auch eine Mediäval-Kursiv hat Professor Walter Tie- 
meinen auf die Versalien übertragen wurde , ist in mann noch geschaffen, die sowohl als Ergänzung der 
der Germanisch der Meißelduktus der Versalien auf Tiemann-Nlediäval wie auch als Schrift für sich eine 
die Gemeinen übertragen. Die Germanisch hat also hervorragende Erscheinung ist. Schwungvolle Zier- 
darin etwasGemeinsames mit derUnziale;wenn beide buchstaben, ferner Reihenornamente und ligürliche 
trotzdem als Schriften im typographischen Sinne ver- Vignetten bilden den künstlerischen Schmuck der 
schieden sind, so haben wir hier nur eine Bestätigung Schrift. Ein prunkloses, aber ungemein gediegenes 
der Tatsache, daß wahre Kunst auf vielen Wegen zum Probeheft lällt den vornehmen, streng einheitlichen 
gleichen Ziele gelangen kann. typographischen Zug erkennen, der allen Tiemann- 
Sehr bemerkenswert ist es, daß der Unziale wie Schriften und Verzierungen eigen ist. 
der Delitsch schnell zwei neue Antiquaschriften ge- Zwei Antiquaschriften, die weniger für die eigent- 
folgt sind, die beide gewissermaßen moderne Fort- liche Buchausstattung in Frage kommen, die sich aber 
bildungen jener Schöpfungen darstellen. Die Schrift- für den guten Katalogdruck und in der Akzidenz der 
gießerei Emil Gursch bringt eine journal-Antiqua, Gunst der Buchdrucker erfreuen werden, sind die 
die der Unziale beweglichere Formen gibt, und die Reform-Latein der Aktiengesellschaft für Schrift- 
Schriftgießerei Julius Klinkhardt eine Ramses ge- gießerei in Offenbach a. M. und die Feder-Antiqua 
nannte Antiqua, die umgekehrt die schwungvollen von Ludwig 81 Mayer in Frankfurt a. M. Die flott und 
Schreibformen der Delitsch zum gedruckten Duktus fest geschriebenen Schriften ergeben ein ruhiges 
hinüberleitet. lnbeidenFällen sind sehrgute Schriften Bild, das bei der ersteren durch die gleichzeitig er- 
entstanden. Wenn sich Delitsch hätte entschließen schienene Halbfette belebt werden kann. 
können, noch etwas weniger Persönliches in sein In die typographische Reklame-Druckausstattung 
zweites Werk hineinzulegen, so wäre das der Schrift ist durch die Bernhard- Antiqua der Schriftgießerei 
nur zustatten gekommen. Die Journal-Antiqua wurde Flinsch in Frankfurt a. M. ein frischer neuer Ton ge- 
gleichzeitig in einem halbfetten Schnitte herausge- bracht. Die Sache an sich ist ja nicht durchaus neu: 
bracht und so in ihrer praktischen Verwendbarkeit in den Plakaten, Inseraten und Gelegenheitsarbeiten 
gefördert einiger dazu befähigter Künstler sind uns ähnliche 
Eine entschieden persönliche Schöpfung ist die Wirkungen schon seit Jahren begegnet; sie zuerst 
SaIzmann-Antiqua von _].G.Schelter8tGiesecke in ins Typographische übertragen zu haben, ist das 
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