Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Archiv für Buchgewerbe
Person:
Waldow, Alexander Deutscher Buchgewerbeverein
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-987284
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3999667
 ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE  
und diese Umdruckabzüge werden dann auf die eigent- 
liche Zinkplatte mittels einer gewöhnlichen Stein- 
druckhandpresse übergedruckt. Es ist natürlich auch 
hierbei notwendig, daß gut Hand in Hand gearbeitet 
wird, so daß die Stellen, an denen die Bilder zum Ab- 
druck kommen sollen, im Satz gleich entsprechend 
berücksichtigt werden. Die Zinkplatte wird nun ähn- 
lich wie der Stein für den Druck behandelt, sie kommt 
nach Fertigstellung auf den Zylinder und der Druck 
kann nunmehr ohne irgendwelche weitere Zurichtung 
erfolgen. Wie die Abbildung veranschaulicht, läuft 
von der endlosen Papierrolle die Bahn unten in die 
Mitte der Maschine und steigt von da, ohne daß sie 
vorher gefeuchtet werden muß, durch die beiden 
Gummizylinder hindurch, durch die sie auf beiden 
Seiten den Druck erhält. Nach erfolgtem Druck läuft 
sie oberhalb der Maschine weiter und gelangt nun 
entweder in die daran gekuppelte Hochdruckrotations- 
maschine, um den zu den Bildern nötigen Text zu er- 
halten, oder aber die Papierbahn läuft in den rechts- 
seitig angebrachten Falzapparat, wo sie geschnitten 
und entsprechend gefalzt wird. Hierbei ist zu er- 
wähnen, daß die Hermannsche Maschine auch noch 
in andrer Hinsicht Verwendung finden kann, nicht 
nur daß man dieselbe als reine Bilderdruckmaschine 
zu Tageszeitungen verwendet, sondern auch als Ro- 
tationsmaschine zum vollständigen Druck der Tages- 
zeitungen überhaupt, soweit die Zeitung nicht über 
acht Seiten Umfang aufweist. In diesem Falle wer- 
den von der Satzform Abzüge angefertigt, wozu aller- 
dings zum sauberen Ausdruck der ganzen Form not- 
wendig wäre, daß sie auf einer Maschine gemacht 
werden, wo sie entsprechend zugerichtet werden 
können, falls nicht neues Schriftmaterial zur Verfü- 
gung steht. Die Abzüge werden durch Abklatsch auf 
einen zweiten Bogen übertragen und von diesen dann 
durch Umdruck auf die Zinkplatte gebracht, worauf 
in der im Steindruck bekannten Weise geätzt und die 
Platte druckfertig gemacht wird. Nunkommt die etwa 
kartonstarke Zinkplatte auf den Zylinder zum Fort- 
druck. Nach den Angaben, welche uns bei der Firma 
Böttcher gemacht wurden, soll das Umdrucken nicht 
mehr Zeit als die Anfertigung einer Stereotypplatte 
benötigen, es soll auch einfacher und billiger sein. Die 
Platten können viele Male abgeschliffen werden und 
sind immer wieder zu verwenden. Dieses Verfahren 
hat den Vorzug, daß nicht wie bei der Hochdruck- 
Gummimaschine (Heureka) verschieden gefärbte Ab- 
drücke aus der Maschine gelangen, sondern bei jeder 
Zylinderumdrehung wird neu eingefärbt, so daß die 
Exemplare durchweg gleichmäßig in der Deckung der 
Farbe ausfallen. Schließlich wurde uns mitgeteilt, 
daß die Hermannsche Offsetmaschine außer für 
Zeitungs- und Bilderdruck auch für andre Arbeiten 
Verwendung finden kann. Mit der Falzeinrichtung 
versehen eignet sie sich auch zum Druck farbiger 
Prospekte oder für Einschlagpapiere, Tüten und Per- 
gamentpapiere, derartige Arbeiten wurden uns bei der 
Besichtigung mit vorgelegt. Es wurde weiter darauf 
hingewiesen, daß man mittels des Offsetverfahrens 
auch Werke in hohen Auflagen, deren Satz stehen 
bleiben oder die gematert werden müßten, drucken 
kann, da die Aufbewahrung der Zinkplatten einfacher 
sei als diejenige des stehenden Satzes oder der Plat- 
ten. Hier dürften indessen der Verwendbarkeit des 
Verfahrens einige Grenzen gezogen sein, einmal in 
der Schwierigkeit, bessere Papiere in Rollenform zu 
erhalten, das andre Mal dürfte der Druck direkt von 
Schrift doch etwas anders aussehen als durch deren 
mittelbare Übertragung durch die Zinkplatte. Die 
Schärfe des Druckes wird im letzteren Falle unbe- 
dingt einbüßen müssen. 
Aber abgesehen davon, kann man wohl das Offset- 
verfahren zurzeit als das billigste Mittel zur Erzeu- 
gung guter Zeitungsillustrationen bezeichnen, die 
scharf und klar, wenn auch nicht von solcher Voll- 
endung wie die durch den Tiefdruck erzeugten sind. 
Eine besondere Lizenzgebühr wird nicht erhoben, 
beim Kauf der Maschine und des übrigen Zubehörs 
ist diese mit inbegriffen; soweit wir uns unterrichten 
konnten, werden die gesamten Anschaffungskosten, 
also für eine komplette Ausrüstung der Maschine mit 
Umdruckeinrichtung und photographischem Atelier 
auf etwa M 30 000.- geschätzt. Leider war es uns 
nicht möglich, die Herstellung der Abbildungen von 
ihrem Anfang an bis zur Übertragung auf die Zink- 
platten kennen zu lernen, um so die Richtigkeit der 
Angaben bezüglich der Herstellungszeiten der druck- 
fertigen Zinkplatte (3-4 Stunden Arbeitszeit) nach- 
prüfen zu können (siehe Beilage). 
Es ist interessant zu beobachten, daß man bei den 
Versuchen, den Bilderdruck im Zeitungswesen ein- 
zuführen, von der Hochdrucktechnik über den Tief- 
druck nunmehr bei Flachdruck angekommen ist, der 
durch das Offsetverfahren an sich zu neuem Leben 
erstanden, dasjenige Ausdrucksmittel zu sein scheint, 
welches das seit langem verfolgte Problem auch für 
kleinere Zeitungsbetriebe zur Verwirklichung bringt. 
Bei dem Zuge der Zeit, das geschriebene Wort auch 
in dem kurzen Dasein der Tageszeitung durch Bei- 
fügung bildlicher Darstellungen eindringlicher und 
anschaulicher wirken zu lassen, muß jeder Fortschritt 
zur Erreichung dieses Zieles begrüßt werden und es 
ist wohl anzunehmen, daß die Technik des Rotations- 
bilderdruckes durch das Universal-Offsetdruckver- 
fahren einen wesentlichen Schritt vorwärts gemacht 
hat. Allerdings wird auch hier die Praxis das ent- 
scheidende Wort zu sprechen haben. 
 
 
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